Katharina Eigner: Nichts verblasst für immer

Katharina Eigner

Katharina Eigner | Foto: Haymon Verlag © weissbild Martina Weiss

Katharina Eigner: Nichts verlasst für immer

Autorin: Katharina Eigner
Titel: Nichts verblasst für immer – Ein Salzburg Krimi
Genre: Belletristik, Landkrimi
ISBN: 978-3-7099-7996-9
Verlag: Haymon Verlag Ges.m.b.H.
Erschienen: 21.04.2026

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Klappentext:

Vom trügerischen Landidyll in die Schickeria. Als Marianne mit 18 Jahren die fatalen Geschehnisse im Elternhaus mitsamt dem unehelich geborenen Kind in Leogang zurücklässt, glaubt sie, mit ihrer Vergangenheit abgeschlossen zu haben.

Auch wenn Salzburg und Leogang 100 Kilometer trennen, und Mara, – wie sich Marianne jetzt nennt – einen mondänen Lifestyle genießt, lassen sie die Bilder von damals nicht los.

Ihre souveräne Fassade beginnt zu bröckeln, als sie sich in den Mittelpunkt einer Mordermittlung manövriert und jemand wissen lässt, dass nicht nur sie sich an Leogang erinnert.

Anna Lemberger

Rezension von Anna Lemberger

Alles, was Marianne will, ist, in Ruhe lernen zu dürfen – was ihr patriarchalisch denkender Vater jedoch mit allen Mitteln zu verhindern versucht. Die junge Frau verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: Sie will Ärztin werden und nach der Matura gemeinsam mit ihrer Freundin Luzia zum Studium nach Wien aufbrechen. Wie schnell sich Lebensentwürfe ändern können, muss Marianne allerdings beim Faschingsball erfahren, als Luzia ihr von völlig neuen Absichten berichtet. Und das soll nicht das einzige Hindernis auf dem Weg zu ihrem hochgesteckten Ziel bleiben. Trotz aller tragischen Ereignisse im Elternhaus bricht sie nach der Matura abrupt aus Leogang auf und lässt alles zurück, was sie auf ihrem Weg einengen könnte.

In Wien lernt sie schließlich ihren späteren Ehemann kennen. Zwar bringt er sie von ihren ursprünglichen Plänen ab, eröffnet ihr als Teil der Salzburger High Society jedoch völlig neue Möglichkeiten. Fortan lebt sie als „Mara“ ein luxuriöses Leben – bis sie die Spuren der Vergangenheit unbarmherzig einholen.

Mara, die von der Autorin in den Fokus der Erzählung gerückt wird, ist eine zutiefst ambivalente Persönlichkeit: Einerseits unterstützt sie in einem von ihr ins Leben gerufenen Charity-Verein sozial Benachteiligte, andererseits hat sie den „Stallgeruch“ ihrer ländlichen Herkunft vollständig gegen die Salzburger Schickeria eingetauscht. Geschickt bewegt sie sich auf dem Parkett der Reichen und Schönen, während sie über ihre Wurzeln beharrlich schweigt. Auch ihre Enkelin, die bei ihr aufgewachsen ist, bedeutet ihr viel, obwohl sich die beiden konfliktreich auf ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen bewegen.

Das vielversprechende, klug gewählte Cover lädt unmittelbar zum Lesen ein, und eine ungewöhnliche Einleitung ebnet den Weg in einen packenden Hauptteil. Katharina Eigner räumt in ihrem Roman rigoros mit jeglicher ländlichen Idylle auf; sie erzählt eine Geschichte, die von Misstrauen, veralteten Strukturen und starren Rollenbildern geprägt ist. Obwohl das Buch als Landkrimi deklariert ist, lässt es sich eher als komplexes Drama bezeichnen, das ein breites und bedrückendes Themenspektrum abdeckt.

Besonders düster – und mittlerweile zu trauriger Berühmtheit gelangt – ist der tiefe Blick in die Vergangenheit österreichischer Kinderheime. Die Autorin zeigt auf, wie sadistisch veranlagte Erzieherinnen und Erzieher dort ein freies Feld für Grausamkeiten fanden. Diese unmenschliche Behandlung von Kindern wurde, wie Eigner treffend anklingen lässt, nur möglich, weil eine Vielzahl von Verantwortlichen weggesehen hat. In mehreren Erzählsträngen führt die Autorin durch das Buch, bis sich die Fäden am Ende zu einem Ganzen verknüpfen. Obwohl die Geschichte für die Protagonistin versöhnlich ausklingt, bleiben einige Fragen offen, deren Beantwortung der Fantasie der Leserschaft überlassen wird.

Eine feinsinnige, authentische und psychologisch tiefgründige Romanerzählung, in die Katharina Eigner spürbar fundiertes Wissen einbringt. Von der ersten Seite an werden Lesende in den Bann gezogen; durch das geschickte Hin- und Herspringen zwischen den Zeitebenen und Erzählsträngen bleibt die Spannung bis zum Schluss auf hohem Niveau. Wer gerne in ländliche Abgründe abtaucht, kommt an dieser gelungenen literarischen Entdeckung nicht vorbei.


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