Kristin Rubra: Keloid

Kristin Rubra

Kristin Rubra | Foto: © STROUX edition>

Autorin: Kristin Rubra
Titel: Keloid: Vom Überleben und Lieben
Genre: Belletristik, Roman
ISBN: 978-3-948065-33-1
Verlag: Stroux Edition
Erschienen: 6. 5. 2024

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Klappentext:

Christina, eine junge deutsche Medizinstudentin in den USA, verliebt sich Anfang der 1980er Jahre in einen Mitstudenten, der die Traumata seiner jüdischen Familie in Body-Actionpaintings austobt. Sein Vater Leon, ehemaliger GI bei den legendären Thunderbirds, die das KZ Dachau befreiten, ist strikt gegen „alles Deutsche“ und vor allem gegen sie. Sieben Jahre später liegt Leon nach einem Verkehrsunfall in einem deutschen Krankenhaus auf dem OP-Tisch vor Christina. Aus dem Wiedererkennen entwickelt sich eine spannungsgeladene Beziehung: Leon, der Christina von alten und uralten Verletzungen anhand seiner Edelsteinsammlung erzählt, wird für sie zum wichtigsten Menschen ihres Lebens. In KELOID – der medizinische Fachbegriff für eine wuchernde Narbe – verwebt Kristin Rubra den Werdegang der deutschen Studentin zur Oberärztin und ihre Beziehungen in eine jüdische Familie in den USA. Sie erzählt, wie entscheidend Kriegstraumata das Leben deformieren und wie sie weitergegeben werden. Auch unter einer solchen Last wird die Liebe intensiv gesucht und findet ungewöhnliche Wege.

Anna Lemberger

Rezension von Anna Lemberger

Die unbedarfte Christina Cravenich hat wenig Ahnung von dem, was sich wenige Jahre vor ihrer Geburt in Deutschland abgespielt hat, als sie ihr Medizinstudium in Amerika antritt. Erst durch ihren Freund Jamie erfährt sie mit brutaler Härte, was es heißt, „deutsch“ zu sein. Jamies Vater Leon ist Jude und gehörte als US-Soldat zu den Befreiern des KZ Dachau. Aus diesem Grund lehnt er alles Deutsche und auch dessen Bürger mit einer Vehemenz ab, die für die junge Frau sehr schmerzhaft ist. Was Leon und Christina bei ihrem einzigen, konfrontativen Zusammentreffen jedoch nicht ahnen: Sieben Jahre später wird sie ein schicksalhaftes Wiedersehen zusammenführen, das das Leben beider tiefgreifend verändern soll.

Die Autorin Kristin Rubra stellt in diesem autofiktional anmutenden Roman die Protagonistin Christina in den Fokus der Aufmerksamkeit. Nachdem das Schicksal ihre Wege mit ihrem einstigen Antagonisten Leon erneut kreuzt, entwickelt sich daraus eine bizarre Liebesgeschichte. Von diesem Moment an leben beide ihr weiteres Leben in ständiger Wechselwirkung zueinander.

Während schnell klar wird, welches Motiv den gezeichneten Leon antreibt, die Nähe der jüngeren Frau zu suchen, bleibt umgekehrt weitgehend unklar, was die selbstbewusste und finanziell unabhängige Christina derart in den Bann des 37 Jahre älteren Mannes zieht. Trotz einer spürbar knisternden Erotik einigen sich beide auf eine platonische Liebesbeziehung, die sie bis zum Schluss beibehalten.

Das kräftig blaue Cover, dessen tiefere Bedeutung sich erst im Laufe des Buches erschließt, zieht den Blick der Leserschaft sofort auf sich. Die Einleitung ebnet geschickt den Weg in einen faszinierenden Hauptteil, der die Lesenden von Beginn an in Atem hält. Durch eine wortgewaltige, zugleich tiefgründige und einfühlsame Sprache gelingt es der Autorin meisterhaft, ihr Publikum in den Bann zu ziehen.

Neben einem fundierten Einblick in den klinischen Alltag chirurgischer Abteilungen lässt Kristin Rubra ihre Leserschaft mit einem sehr sensiblen Blick an der jüdischen Kultur teilhaben. Der Schluss dieser besonderen Erzählung ist tief berührend und befreiend zugleich, entlässt die Leserinnen und Leser aber dennoch nachdenklich.

Ein hervorragend gelungener und psychologisch tiefgehender Debütroman über körperliche sowie psychische Traumata. Das Werk wirkt aufgrund der medizinischen und psychologischen Fachkenntnisse der Autorin überaus authentisch. Vor allem aber zeigt Rubra damit einen grandiosen Weg auf, wie aus Trennendem schließlich Verbundenheit erwachsen kann. Für Fans von literarisch hochwertigen Romanen ist dieses Buch ein absolutes Muss


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