Kritisches Gedenken am Kommunalfriedhof

Kritisches Gedenken am Kommunalfriedhof

Neues Infopult erinnert an die Schattenseiten des Heldentums

Salzburg geht 2025, 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, neue Wege im Umgang mit seiner Geschichte. Am Kommunalfriedhof informiert jetzt ein neues Infopult in klaren Worten über das Kriegerdenkmal, das lange umstritten war. Es erzählt, was bisher fehlte: die ganze Geschichte.

Von Karl Traintinger

Ursprünglich wurde das Kriegerdenkmal 1929 errichtet, um an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs zu erinnern. Nach 1945 kamen Namen aus dem Zweiten Weltkrieg hinzu – darunter auch solche, die als Mitglieder der Wehrmacht oder der Waffen-SS an Verbrechen beteiligt waren. Jahrzehntelang ehrte das Denkmal diese Männer unkommentiert als Helden. Erst ab den 1980er-Jahren regte sich Kritik.

Das neue Infopult, gestaltet vom Stadtarchiv Salzburg unter Leitung von Sabine Veits-Falk, holt diese Diskussion an den Ort selbst. Zweisprachig erklärt es die historischen Hintergründe. Der Sockel trägt ein klares Zitat der Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner: „Frieden, Frieden! Die Waffen nieder!“

Am 22. Oktober 2025 fand eine Gedenkstunde statt. Veits-Falk berichtete von der erinnerungspolitischen Arbeit der Stadt, die mit neuen Namen für belastete Straßen und Ehrungen für NS-Opfer Zeichen setzt. Schriftsteller Ludwig Laher sprach in seiner Rede über die Notwendigkeit, solche Denkmäler nicht nur zu erhalten, sondern sie auch aktiv zu hinterfragen. Sie sollten nicht als stille Mahnmale stehen bleiben, sondern als Lernorte für Schülerinnen und Schüler, für Gespräche über Krieg, Frieden und Verantwortung.

Ein besonders emotionaler Moment war der Auftritt des Demokratischen Chors Braunau. Mit Passagen aus der „Mauthausen-Kantate“ von Mikis Theodorakis setzten die Sängerinnen und Sänger ein starkes musikalisches Zeichen. Der Chor ist für sein klares antifaschistisches Profil bekannt und trägt regelmäßig zur Gedenkkultur in Österreich bei.

Das Kriegerdenkmal bleibt ein Stein gewordener Spiegel seiner Zeit: grober Stein, patriotische Inschriften, stilisierte Heldenbilder. Mit dem neuen Infopult beginnt nun eine zweite Erzählung. Eine, die Fragen stellt. Und vielleicht Antworten findet.

Ludwig Laher – Stimme gegen das Vergessen Ludwig Laher, geboren 1955 in Linz, lebt als Schriftsteller in St. Pantaleon. In seinen Büchern, Essays und Reden beschäftigt er sich intensiv mit Erinnerung, Gewaltgeschichte und Zivilcourage. Besonders mit seinem Roman „Herzfleischentartung“ über das NS-Zwangsarbeitslager Weyer hat er die Diskussion über lokale Erinnerungskultur wesentlich geprägt. Lahers klare Sprache und seine gesellschaftspolitische Haltung machen ihn zu einer wichtigen Stimme im Gedenken an die NS-Zeit. Seine Mitwirkung an Veranstaltungen wie jener am Kommunalfriedhof Salzburg zeigt: Erinnern ist für ihn kein Selbstzweck, sondern Verpflichtung.

Siehe auch:
Gedenkpyramide erinnert an Displaced Persons >

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