Salzburg liebt sein kulturelles Erbe. Jedenfalls solange es auf Tafeln, Plätzen und in Festreden vorkommt. Sobald es allerdings einen Kaufpreis hat, wird aus historischer Verantwortung erstaunlich schnell eine Budgetfrage.
Das Paschinger Schlössl steht wieder zum Verkauf. Dort lebte Stefan Zweig, Weltliterat, Europäer, Humanist — und einer, den Salzburg zuerst beherbergte und dann vertrieb. Gerade deshalb ist dieses Haus kein Immobilienobjekt mit schöner Aussicht, sondern ein Erinnerungsort von Rang.
Nun wäre also Gelegenheit, endlich nicht nur über Kultur zu reden, sondern sie auch zu sichern. Doch ausgerechnet bei einem Ort, der für Exil, Antisemitismus und den Verlust Europas steht, dürfte es wieder an Zuständigkeiten, Mitteln und Mut fehlen. Das ist unerquicklich, aber leider nicht überraschend.
Dabei sind Stadt und Land sonst durchaus erfinderisch, wenn etwas politisch gewollt ist. Bürgermeister Auinger und Landeshauptfrau Edtstadler werden ja nicht gerade als fantasielos beschrieben, wenn es ums Finanzieren anderer Vorhaben geht. Warum also hier plötzlich die Hände so leer wirken, bleibt erklärungsbedürftig.
Nachdem Wolfgang Porsche aufwendig saniert hat, wurde er jetzt aber offenkundig vergrault. Da wäre weiteres Nichtstun doppelt peinlich. Erst einen privaten Käufer verlieren und dann selbst nicht zugreifen – das wäre sehr salzburgisch, aber kein Ruhmesblatt.
Der Spaziergänger meint: Wer das kulturelle Erbe ständig im Mund führt, sollte es am Kapuzinerberg nicht noch einmal aus der Hand geben.

Stefan Zweig von Josef Zenzmaier | Foto: © Karl Traintinger

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