Luca Ventura: Grünes Gold

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Autor lebt am Golf von Neapel und schreibt unter einem Pseudonym - Sujetbild KI-generiert⁣⁣

Luca Ventura: Grünes Gold

Autor: Luca Ventura:
Titel: Grünes Gold. Der Capri-Krimi.
Genre: Belletristik/Krimis, Thriller, Spionage
Verlag: Diogenes, München 2025
ISBN: 978-3-257-30112-0
Erschienen: 26. März 2025

Klappentext:

Ein junger Mann kommt eines Morgens tot im Sessellift auf dem Monte Solaro an. Jemand muss von unten aus der sonnenverbrannten Macchia auf ihn gezielt haben. Die erste Spur führt in einen Olivenhain, der ein altes Geheimnis birgt.

Während die Kriminalpolizei von Neapel einen spezialisierten Suchtrupp schickt, stoßen die Inselpolizisten Enrico Rizzi und Antonia Cirillo in ihrem neusten Fall auf extravagante Ideen rund um kostbares Olivenöl – und auf einen Baum mit einer Olivensorte, die es nur hier auf Capri gibt. Und für die manche Menschen töten würden.

Wolfgang Kauer

Buchrezension von Wolfgang Kauer

Ein Rechtsanwalt vom italienischen Festland, der sich auf die Insel Capri zurückgezogen hat, nimmt wie jeden Morgen den Sessellift auf den Monte Solaro, als er aus dem Gebüsch heraus erschossen wird. Dass er auf der Insel ein Grundstück geerbt hat, dem er sich nun widmen wollte, lässt schon das wahrscheinliche Tatmotiv am Ende des Buches erahnen. Ungewöhnlich ist, dass den Fremden vor seinem Tod kaum jemand wahrgenommen hatte, sodass sich die Ermittlungen der Dorfpolizei als schwierig erweisen. Innovativ wirkt die hin und her wechselnde Erzählperspektive aus Sicht des Dorfpolizisten Enrico Rizzi und seiner Kollegin Antonia Cirillo, deren Privatleben, Ängste und Sorgen die Lesenden kennenlernen dürfen. Es tut gut, einen Krimi zu lesen, in dessen Zentrum einmal kein eigenwilliger Kommissar als Protagonist auftritt.

Um richtig ermitteln zu können, müssen die beiden Dorfpolizisten ihre Kompetenzen ständig überschreiten, selbst auf die Gefahr hin, dass sich ihre Einsatzmethoden auf die eigene Kariere negativ auswirken könnten. Wenn sich Polizist Rizzi etwa ohne Durchsuchungsbefehl durch ein zu kleines Klofenster ins Innere eines verdächtigen Hauses zwängt, um alle Gespräche dort mitzuhören, wird die Not zur Tugend gemacht und es zeigt sich allzu Menschliches. 

Zum Glück besitzt die Tennisanlage des Dorfes eine Überwachungskamera, sodass sowohl Opfer als auch Täter identifiziert werden können. Dass jedoch der dem Lesenden bis zum Ende hin unbekannte Täter und sein Motiv erst am Schluss über mehrere Seiten hin erklärt werden müssen, wirkt etwas linkisch erzählt und bootet mitdenkende Lesende aus.

Viele Handlungsdetails werden zu ausführlich beschrieben. So etwa benötigt der Autor allein zum Aufbocken einer Vespa mehrere Sätze, was einen sehr langatmigen Stil ergibt, der nicht erzählerischen Raffinessen geschuldet ist und ganz und gar nicht italienisch locker ankommt. Man erfährt viele Details über die Olivenernte. Alte Olivenbäume lassen sich im Monat September einfach so ausgraben und mit wenig Wasser wieder einsetzen? Lesende wundern sich an mehreren Stellen, wie fern dem Autor praktische Erfahrungen sind.    

Alles in allem liegt also ein Krimi vor, der sich als Leserschaft Capri-Reisende wünscht und den man sich im Ladenregal vor Ort gut vorstellen kann, und zwar zwischen Olivenölprodukten eingeklemmt. Drei Zutaten scheinen die ideale Mischung zu ergeben, wie man einen „Bestseller“ anlegt: Man sammle alle verfügbaren Informationen zum Thema Olivenöl und dessen Herstellung und denke sich dazu eine Krimi-Handlung aus. Schließlich dient die Insel Capri als idealer Schauplatz, für den sich eine Mehrheit an Lesenden von vornherein interessiert.

Aber was ist das für ein Capri, das man im Buch kennenlernt? Ein Sessellift, ein paar verfallene Häuser mit Olivenbäumen, viel Gestrüpp und aus der Ferne laute Touristenausrufe der Verwunderung über die Blaue Grotte. Viel mehr scheint der Autor nicht preisgeben zu wollen, sodass man den Eindruck gewinnt, sein italienischer Name könnte das Pseudonym eines Deutschen sein, der zu Hause vor der Italienkarte und ein paar Prospekten sitzt und eine gefällige Produktwerbung für Olivenöl verfassen möchte, in der Hoffnung, dass die Kleinhändler vor Ort das Buch neben ihre Ölflaschen stellen und deutschsprachige Touristen es dann mit dem Olivenöl zusammen erwerben.

Der Schauplatz Capri ist jedenfalls austauschbar und das Thema Olivenöl würde besser zum sizilianischen Klischee passen. Dabei hätte Capri so viel anderes historisches Kolorit, aus dem sich ein toller Politthriller spinnen ließe! Ich denke an die alten Griechen Kampaniens, an die dunkle Szene der englischen Villenbesitzer, die Missbrauch von männlichen Jugendlichen mit Romantik verwechselt haben, an die Frau des amerikanische Präsidenten John F. Kennedy, die hier inkognito urlaubte, an die Erfindung des Badeanzugs für erste amerikanische Touristinnen durch lokale Gastgeberinnen und an jene Tausenden randvollen Limoncello-Flaschen, die in den engen Gassen in Reih und Glied den Touristenheeren gegenüberstehen.

Nichts von alledem, was ein bisschen hinter die Fassade einer Inselgesellschaft blicken ließe, offenbart sich im Text, mit Ausnahme der illegalen Versetzung des Grenzsteins vom Olivenhain. Mit vielen Klischees zwischen seinen Seiten, die niemandem wehtun, muss das Buch ja zum Bestseller werden, wobei das auf dem Capri-Coverfoto montierte rote Schild „Bestseller Autor“ jeden Zweifel an einer Kaufentscheidung von vornherein ausräumen soll. Aber nicht wenige Tourist*innen fragen eben solche leichtgewichtigen Bücher nach, wie sie Diogenes zur Urlaubslektüre anbietet.


Dorfgockel

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