Wer klassische Fotografie erwartet, wird zunächst irritiert sein. Nur wenige Arbeiten entsprechen dem vertrauten Bildbegriff. Zeichnungen, Farbflecken und Beschreibungen überlagern die Fotografien; Gesichter sind unkenntlich gemacht. Andere Arbeiten erinnern an überdimensionierte Polaroids, deren Farben verlaufen oder beschädigt wurden.

Von Karl Traintinger
Diese Eingriffe sind kein bloßer Stil. Die österreichische Fotografin Mafalda Rakoš stellt den fotografischen Blick selbst zur Diskussion. Ihre Porträts entstehen über längere Zeiträume und in Zusammenarbeit mit Frauen und nichtbinären Menschen. Die Abgebildeten sind nicht nur Motive, sondern Beteiligte und Mitautor:innen. Fotografie wird zum Ergebnis einer Beziehung – nicht zur eindeutigen Festschreibung einer Person.
Rakoš wendet sich gegen eine dokumentarische Praxis, in der Menschen und ihre Geschichten als konsumierbares Material erscheinen. Die Kamera soll nicht aneignen, sondern Begegnung ermöglichen. Besonders die verdeckten Gesichter verweigern den schnellen Zugriff des Publikums. Doch auch das Verbergen bleibt eine künstlerische Entscheidung. Wie viel Kontrolle tatsächlich an die Abgebildeten zurückgeht, bleibt offen.
Darin liegt die Ambivalenz der Ausstellung: Rakoš kritisiert den privilegierten Blick der Fotografie, bleibt aber selbst für Auswahl, Bearbeitung und Präsentation verantwortlich. Die behauptete gemeinsame Urheberschaft wird im Begleittext erläutert, ist in den Bildern jedoch nicht immer unmittelbar nachvollziehbar. Das Publikum sieht die Ergebnisse, nicht automatisch die Gespräche und Aushandlungen, aus denen sie hervorgegangen sind.
Kurator Peter Schreiner führt diese vielschichtige Ausstellung im FOTOHOF zusammen, ohne die Widersprüche ihrer Arbeiten aufzulösen. It’s Yours, It’s Mine zeigt Fotografie als sozialen Vorgang, geprägt von Macht, Vertrauen und Verantwortung. Rakoš’ Bilder wollen weniger besitzen als zuhören. Gerade weil dieser Anspruch nicht widerspruchsfrei aufgeht, bleiben sie interessant.




„It’s Yours, It’s Mine: Seven Relational Portraits“
FOTOHOF Salzburg, bis 24. September 2026
in Zusammenarbeit mit der internationalen Sommerakademie für bildende Kunst Salzburg

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