Im Museum der Moderne Salzburg am Mönchsberg begegnet man einem Georg Baselitz, der in seinem Spätwerk weder milder noch gefälliger geworden ist, aber spürbar persönlicher.

Von Karl Traintinger
„Baselitz Jetzt“ zeigt großformatige Arbeiten der vergangenen Jahre. Der Künstler nähert sich mit beeindruckender Konsequenz den großen Themen des Lebens: dem Älterwerden, der Erinnerung, dem eigenen Körper und der Zeit, die sich nicht anhalten lässt. Was hier zu sehen ist, ist kein spätes Resümee, sondern eine offene Weiterarbeit an den eigenen Fragen.
Die berühmten auf den Kopf gestellten Figuren erscheinen in dieser Ausstellung nicht als kalkulierte Provokation, sondern fast als selbstverständliche Sprache. Baselitz lenkt den Blick weg von der bloßen Erzählung und hin zur Malerei selbst: zu Linien, Brüchen, Farbfeldern und Spuren der Bewegung. Gerade darin liegt die Kraft dieser Bilder. Sie wirken roh und fragil zugleich, manchmal wie hingeworfen, dann wieder überraschend zart. Schwarz-Weiß-Kontraste, Goldgründe, Pastelltöne und textile Elemente wie Nylonstrümpfe schaffen eine Bildwelt, die zwischen Intimität und Verstörung oszilliert.
Besonders eindringlich sind jene Arbeiten, in denen Baselitz sich selbst und seine Frau Elke ins Zentrum rückt. Diese Bilder haben etwas sehr Menschliches: Sie erzählen von Nähe, von gemeinsam gelebter Zeit, von Verletzlichkeit und einer stillen Form von Zusammenhalt. Die Körper wirken stellenweise wie aufgelöst, skizzenhaft, fast durchscheinend wie Röntgenbilder und gerade dadurch berührend. Es sind keine klassischen Porträts, sondern Erinnerungsbilder, die etwas von innerem Dialog und gelebter Erfahrung bewahren.






So wird „Baselitz Jetzt“ zu einer Ausstellung über die Zerbrechlichkeit des Daseins, ohne je in Resignation zu kippen. Vielmehr liegt in diesen Werken eine eigenwillige, manchmal trotzige Lebenskraft. Salzburg zeigt hier keinen rückblickenden Altmeister, sondern einen Künstler, der im hohen Alter noch immer weiterdenkt, weitermalt und sich dem Gegenwärtigen mit wacher Intensität aussetzt.
Georg Baselitz wurde 1938 in Deutschbaselitz in Sachsen als Hans-Georg Kern geboren und zählt zu den prägenden Künstlern der Gegenwart. Internationale Bekanntheit erlangte er vor allem mit seinen seit 1969 auf den Kopf gestellten Bildmotiven. Neben Malerei entstanden auch Skulpturen, Zeichnungen und Druckgrafiken. Heute lebt und arbeitet Baselitz in Deutschland, Österreich und Italien.

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