Margret Schepers: … und wir träumten vom Matriarchat

Margret Schepers: … und wir träumten vom Matriarchat

Margret Schepers | Foto: Privat

Margret Schepers: … und wir träumten vom Matriarchat

Autorin: Margret Schepers
Titel: … und wir träumten vom Matriarchat
Genre: Bellestristik, Roman
ISBN: 978-3-910886-17-9
Verlag: Kurpfälzischer Verlag
Erschienen: 06.03.2026

Klappentext:

Heidelberg in den 1970er-Jahren: Susa, jung, unerfahren und vom Land, sucht Freiheit, Selbstbestimmung und ein neues Leben. Sie findet all dies in der aufkommenden Frauenbewegung, die Konventionen sprengt und alte Rollenbilder in Frage stellt. Doch die euphorische Suche nach radikalem Aufbruch hat fatale Folgen. Ein Toter zerstört den Zusammenhalt der Gruppe und überschattet ihre Ideale.

Vierzig Jahre später holt die Vergangenheit Susa und ihre Weggefährtinnen ein. Verdrängte Schuld bricht auf, alte Fragen kehren zurück. Was zählt ein Menschenleben? Und: Was bleibt von der Utopie einer weiblicheren Welt? „… und wir träumten vom Matriarchat“ ist kein klassischer Kriminalroman, sondern ein eindringlicher Blick in den inneren Kreis der Frauenbewegung der 1970er Jahre. Ein Buch für Zeitzeuginnen – und für eine jüngere Generation, die verstehen will, wie aktuell die Kämpfe von damals noch immer sind.

Anna Lemberger

Rezension von Anna Lemberger

Als Susa eine junge Frau war, galt in Deutschland noch die gesetzlich verankerte „Hausfrauenehe“: Das Leben einer Frau definierte sich primär über ihre Rolle als Ehefrau, Hausfrau und Mutter, während der Ehemann allein über die Finanzen und den Lebensentwurf der Familie entschied. In dieser konservativen Gesellschaft war selbstbestimmte Familienplanung ein Tabu und Abtreibung streng verboten. Susa wollte aus diesem engen Korsett ausbrechen und schloss sich der aufkeimenden Frauenbewegung an. Dass die vermeintlich heile Welt in der Frauen-WG der 1970er-Jahre so gar nichts Heiles an sich hatte, konnte sie damals nicht ahnen. Vierzig Jahre später wird Susa von einem schrecklichen Ereignis eingeholt, das einst ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellte …

Die Protagonistin ist eine durchsetzungsstarke, fortschrittliche junge Frau, die gemeinsam mit ihren Freundinnen versucht, die gesellschaftlichen Fesseln zu sprengen. Sie schließt sich mit gleichgesinnten Frauen zusammen und wählt ein brisantes Thema für ihre Dissertation: den historischen Hexenwahn, in dem sie deutliche Parallelen zur systematischen Benachteiligung der Frau in ihrer eigenen Gegenwart sieht. Ein mutiger Weg zwischen Versuch und Irrtum beginnt, der schließlich in einer fatalen Sackgasse endet.

Sowohl der Titel als auch die Gestaltung des Covers laden besonders Leserinnen dazu ein, in diesen vielschichtigen Roman einzutauchen. Bereits eine erschütternde Episode zu Beginn führt sehr nachdenklich in das Buch ein und ebnet den Weg für einen durchgehend fesselnden Hauptteil.

Durch zwei geschickt verwobene Erzählstränge, in denen die Autorin dynamisch zwischen den 1970er-Jahren und 2018 wechselt, hält Margret Schepers die Spannung auf konstant hohem Niveau. Die Kapitelwechsel erfolgen stets an den dramatischsten Wendepunkten und verleiten zum ununterbrochenen Weiterlesen. Tiefgründig und authentisch schildert die Autorin den mühevollen, oft steinig wirkenden Weg aus der männlichen Vormundschaft hin zu einem selbstbestimmten Leben. Sie macht spürbar, wie hart die heute oft als selbstverständlich wahrgenommenen Rechte erkämpft werden mussten – und wie schnell erreichte Freiheiten ins Wanken geraten können, wenn patriarchale Denkweisen fortbestehen.

Gerade für jüngere Generationen bietet diese als vielschichtiger Krimi konzipierte gesellschaftskritische Erzählung einen eindrücklichen Blick auf die Wurzeln der weiblichen Emanzipation und auf den Kampf ihrer Mütter und Großmütter für diese Rechte. Neben dem historischen Feminismus überzeugt der Roman durch eine Prise schwarzen Humor und eine mitreißende Kriminalhandlung, die das Publikum intensiv mit den Protagonistinnen mitbangen lässt. Ein versöhnlicher und zugleich überraschender Schluss entlässt die begeisterten Leser*innen aus einer faszinierenden Lektüre.

Ein ungewöhnlicher, aber umso bedeutenderer Roman über den frühen Kampf um Frauenrechte und tatsächliche Gleichberechtigung. Er führt vor Augen, dass etwa die berufliche Selbstständigkeit verheirateter Frauen in Deutschland bis 1977 der gesetzlichen Zustimmung des Ehemanns bedurfte – eine eindringliche Erinnerung daran, wie kostbar und verteidigungswürdig diese Errungenschaften sind. Eine Pflichtlektüre für alle modernen Frauen.


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