
Autor: Mattias Timander
Titel: Dein Wille wohnt in den Wäldern
Genre: Belletristik/ Gegenwartsliteratur (ab 1945)
ISBN: 978-3-911524-00-1
Verlag: Allee-Verlag
Erschienen: 15.09.2025
Klappentext:
Er ist Anfang zwanzig und lebt als einer der Letzten seiner Generation in einem abgelegenen nordschwedischen Dorf, die Landschaft von karger Schönheit, die Menschen so eng und zerklüftet wie schlicht. Zwar deuten sich überall schmerzliche Geheimnisse an, doch Antworten erhält der Suchende nicht.
Erst als er zu lesen beginnt, eröffnet ihm, die Literatur eine gänzlich neue Welt. Mit dem Strom seiner Gedanken spült es ihn schließlich in die große Stadt. Dort begegnet er einer manischen Literatin und taucht ein in die sich lustvoll zelebrierende Bohème. Doch Antworten scheinen ferner denn je. Erst als etwas Unvorhergesehenes geschieht, ahnt er, worin diese liegen könnten, und handelt, ohne zurückzuschauen.
Dein Wille wohnt in den Wäldern ist ein stiller, – auch wegen der ethnischen Wurzeln des Autors – unerschrockener Roman über Herkunft, Zugehörigkeit und das Leben zwischen Schweigen und Sprache.

Rezension von Anna Lemberger
Ein Leben an der Grenze und die Suche nach den Wurzeln einer traumatisierten Minderheit in Schweden – so ließe sich der Debütroman von Mattias Timander in wenigen Worten zusammenfassen.
Mit 20 Jahren kehrt der namenlose Protagonist in sein Heimatdorf zurück und bezieht die karge Hütte seiner Eltern. Eingepfercht zwischen dunklen Wäldern, Gebirgen und reißenden Flüssen, bestimmen Einsamkeit und Sprachlosigkeit das Leben der tornedalischen Minderheit. Auf der Suche nach seiner Identität und den Wurzeln seines Volkes blickt der aus der Ich-Perspektive berichtende Hauptakteur tief in die Seelen der Dorfbewohner.
Bücher, die in der elterlichen Hütte zurückgeblieben sind, dienen ihm als Zeitvertreib und zum Eintauchen in fremde Denkweisen – doch sobald sie gelesen sind, nutzt er sie als Anheizmaterial für seinen Holzofen. Denn das Heizen ist in den unwirtlichen Weiten des Tornetals ein elementarer Teil des Überlebens. Zwischendurch sucht er die „Storstuga“ auf, um mit der Besitzerin zu sprechen oder gemeinsam mit ihr zu schweigen. Die Bücher sind es letztlich auch, die ihn in die Großstadt führen, wo er zwar Arbeit und Freunde, aber weder Glück noch Antworten auf seine Fragen findet. Ins Dorf zurückgekehrt, muss er sich erneut der harten Wirklichkeit stellen und erfahren, dass jedes Leben endlich ist.
Das Cover mag auf den ersten Blick wenig aussagen, macht aber neugierig. Auch der Sinn des Buchtitels ist schwer zu erfassen, was vom Autor offensichtlich so gewollt ist. Die Einleitung führt atmosphärisch dicht in die Handlung ein, die auf das unerbittliche Leben im hohen Norden verweist – eine Welt, in der Vergangenheit und Zukunft ineinanderfließen und in der das Schweigen eine besondere Form der Kommunikation darstellt.
Der Wald ist hier kein Erholungsort, sondern Schauplatz eines brutalen Überlebenskampfes, bei dem oft die richtige Kleidung über Leben oder Tod entscheidet. Die innere Leere und Einsamkeit werden häufig mit Alkohol bekämpft, obwohl der strenge Glaube der Region dies eigentlich verbietet. Die gute Stube in einem größeren Haus, „Storstuga“ genannt, dient dem Gemeinschaftsleben ebenso wie die Sauna, in der die Menschen eng, aber still beieinandersitzen. Am Ende schließt sich der Kreis: Menschen und Tiere sind gestorben, am harten Überlebenskampf hat sich nichts geändert, und viele Fragen bleiben offen. Denn die Schatten der Vergangenheit und das begangene Unrecht lassen sich nicht einfach vertreiben.
Ein geniales, aber auch verwirrendes Buch, das sich der Aufarbeitung des Schicksals der Tornedaler widmet. Bisher wenig beachtet, macht der Autor eindringlich auf das historische Unrecht gegenüber seinem Volk aufmerksam. Es ist ein Buch für Leser*innen, die bereit sind, über den Tellerrand hinauszublicken und ihre Komfortzone zu verlassen, denn das Thema fordert heraus. Ein absolut richtiges und wichtiges Werk, das unbedingt gelesen werden sollte.

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