Max Pechstein. Abenteuer Expressionismus

Max Pechstein

Max Pechstein, Fischer im Boot 1923, 85 x 112,5 cm, Öl auf Leinwand - Lentos Linz | Foto: Karl Traintinger

Hingehen, schauen, staunen, nachdenken

Es ist keine Ausstellung, durch die man einfach so durchspaziert. Dafür ist „Max Pechstein. Abenteuer Expressionismus“ im Lentos zu gut gemacht. Was hier zu sehen ist, beeindruckt nicht nur durch starke Farben und einen großen Namen, sondern auch durch die Sorgfalt, mit der diese Schau aufgebaut wurde.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Pechstein, einer der wichtigen Köpfe des deutschen Expressionismus, wird im Lentos nicht auf den Maler schöner Bilder reduziert. Man sieht seine künstlerischen Aufbrüche, die Jahre bei der „Brücke“, die legendäre Südseereise und auch die späteren Brüche seines Lebens. Rund 150 Werke und Dokumente machen daraus eine Ausstellung, die viel zu erzählen hat, ohne überladen zu wirken. Gerade diese Mischung aus Malerei, Grafik und historischem Material macht den Rundgang lebendig und anschaulich.

Besonders gelungen ist, dass das Lentos nicht in die alte Falle tappt, bloß Kunstgenuss zu servieren. Gerade dort, wo es um die Südsee geht, wird auch der problematische Blick der damaligen Zeit sichtbar gemacht. Koloniale und rassistische Denkmuster werden nicht überpinselt, sondern klar benannt. Das ist wichtig. Denn Kunst wird nicht kleiner, wenn man genauer hinschaut – sie wird vielmehr interessanter und gegenwärtiger.

Überhaupt liegt die Stärke dieser Schau im genauen Hinsehen: auf die Bilder, auf den Künstler, auf die Geschichte dahinter und auf das, was davon bis heute nachwirkt. Das alles ist klug kuratiert, gut gehängt und angenehm frei von musealem Hochmut. Man merkt der Ausstellung an, dass hier nicht nur Wissen, sondern auch Gespür am Werk war.

Kurz gesagt: Diese Ausstellung hat mich überzeugt. Wer bis 30. August 2026 ins Lentos geht, wird mit starken Bildern belohnt – und mit ein paar Gedanken mehr nach Hause geschickt. Oder ganz einfach: hingehen, anschauen, wirken lassen. Dafür ist Kunst schließlich da.

Max Pechstein wurde 1881 in Zwickau geboren. Nach einer Ausbildung zum Dekorationsmaler studierte er an der Kunstakademie in Dresden. 1906 schloss er sich der Künstlergruppe „Die Brücke“ an und wurde zu einem der bedeutenden Vertreter des deutschen Expressionismus. Später lebte und arbeitete er vor allem in Berlin, unternahm 1914/15 eine Reise in die Südsee und schuf ein umfangreiches Werk aus Malerei, Grafik und Zeichnung. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden viele seiner Arbeiten als „entartete Kunst“ beschlagnahmt. Nach 1945 lehrte er in Berlin und wurde vielfach geehrt. Max Pechstein starb 1955 in Berlin.

INFO: Lentos Linz
Max Pechstein – Abenteuer Expressionismus bis 30. August 2028
Jeden Dienstag ab 15:00 haben Senior:innen freien Eintritt

Das Buch zur Ausstellung

Titel: Max Pechstein – Vision und Werk
Autorinnen: Aya Soika, Eveline Suter, Annika Weise
Genre: Kunst
ISBN: 9783777445694
Verlag: Hirmer
Erschienen: 1. 3. 2025

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Klappentext:

Der Expressionist und ”Brücke“-Künstler Max Pechstein ist einer der wegweisenden Vertreter der Moderne in Deutschland. Seine farbintensiven Darstellungen von Mensch und Natur gelten als wegweisend für den Expressionismus und wurden zum Vorbild einer ganzen Epoche. Prachtvoll zeigt die Publikation die Vielfalt und Tiefe seines Gesamtwerkes.Zahlreiche seiner Gemälde zählen zu den Ikonen des Expressionismus, doch die stilistische Bandbreite von Max Pechsteins Schaffen reicht weit über die Werke aus der ”Brücke“-Zeit hinaus. Inspirationsquellen waren für ihn seine Aufenthalte an selbsternannten Malerparadiesen an Ost- und Südsee, wo sich auch sein Themenschwerpunkt einer Einheit von Mensch und Natur herauskristallisierte. Pechsteins Kunst und sein Bedürfnis nach Harmonie in einer schwankenden Welt spiegeln unseren neuen und verstärkt wertschätzenden Blick auf Natur und Umwelt wider und ist damit ein Brückenschlag in unsere heutige Zeit.

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