Melitta Breznik: Nachtdienst

Melitta Breznik

Melitta Breznik | Foto: Penguin Randomhouse © Peter von Felbert

Buchtitel: Nachtdienst
Autor: Melitta Breznik
Genre: Erzählung
Verlag: Erzählung Luchterland
Erschienen: 2010
ISBN: 3-630-62192-9

Klappentext:

Ein Abschieds- und Erinnerungsbuch

Eine junge Frau kehrt zurück in die Wohnung ihres verstorbenen Vaters. Sie sieht dessen Hinterlassenschaften, und in ihrer Erinnerung leben die Bilder von früher wieder auf: von einem einst freundlichen Mann, dem das Leben immer schwerer wurde, von der komplizierten Ehe ihrer Eltern und von angedeuteten Erzählungen aus einem Krieg, durch den Vater und Mutter auf eine nur schwer zu greifende Weise gezeichnet waren.

„Nachtdienst“ ist das viel gerühmte literarische Debüt von Melitta Breznik. Von seiner sprachlichen und literarischen Kraft hat es bis heute nicht das mindeste eingebüßt.

Annelore Achatz

Buchrezension von Annelore Achatz

Zwischen Schweigen und Vergebung – Wie „Nachtdienst“ Generationen verbindet

„Nachtdienst“ ist eines dieser Bücher, die man nicht mehr aus der Hand legt – und die noch lange nachhallen. Mit klaren Worten und großer Empathie taucht es ein in die Welt einer Generation, die oft übersehen wird: die unserer Eltern und Großeltern. Eine Generation, die viel erlebt, aber wenig darüber gesprochen hat.

Besonders berührend ist, wie die Autorin die Familienstrukturen von damals beschreibt. Sie zeigt, wie sehr das Zusammenleben von unausgesprochenen Regeln, emotionaler Kälte und dem Schweigen über den Krieg geprägt war. Viele von uns kennen das – sei es aus Erzählungen oder sogar aus der eigenen Familie. Die unverarbeiteten Traumata brachen sich oft Bahn: in Strenge, in Distanz, manchmal sogar in Gewalt.

Doch das Buch ist mehr als nur eine Abrechnung mit der Vergangenheit. Es erinnert uns daran, wie wichtig es ist, diese Geschichten nicht zu vergessen – gerade heute, wo die Welt wieder unsicherer wird.

Am bewegendsten ist vielleicht die Beziehung zwischen der Tochter und ihrem Vater. Der einst so strenge Mann wird nun hilflos, und sie, die früher unter seinem Schweigen litt, kümmert sich um ihn. Nicht ohne Widerstreben, nicht ohne Fragen – aber mit einer Zärtlichkeit, die vieles heilt. Vielleicht ist es kein Zufall, dass sie Notärztin wurde: Sie gibt, was ihr selbst oft fehlte.

„Nachtdienst“ ist ein leises Buch, aber eines, das unter die Haut geht. Vor allem für Jüngere ist es eine wertvolle Lektüre – denn es hilft zu verstehen, warum unsere Familien so sind, wie sie sind. Und wie wir selbst damit umgehen können.


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