Mercosur und die bäuerliche Wirklichkeit

Beim Vierthalerbauer in Asten bei Lamprechtshausen werden die Kühe von der Weide in den Stall getrieben. Österreichische Betriebe arbeiten mit kleinen Herden (Ø 35 Stk.) , während in Brasilien und Argentinien deutlich größere Bestände (zumeist mehrere 100) üblich sind.

Beim Vierthalerbauer in Asten bei Lamprechtshausen werden die Kühe von der Weide in den Stall getrieben. Österreichische Betriebe arbeiten mit kleinen Herden (Ø 35 Stk.) , während in Brasilien und Argentinien deutlich größere Bestände (zumeist mehrere 100) üblich sind | Foto: © Karl Traintinger, dorfbild.at

Alois Schöninger

Von Alois Schöninger
Hallein, Salzburg

Mercosur ist toll.
MEINDL-Reisinger freut sich auf Instagram.
Sie lächelt dieses Lächeln, das sagt: Jetzt wird die Welt endlich erwachsen.
Ich nicke. Langsam. Zustimmend. Wie jemand, der nicht ganz verstanden hat, worum es geht, aber höflich sein will.
Eine bessere Welt also.
Ich frage mich nur: Welche?
Die Welt der österreichischen Landwirte?
Die Menschen, die früh aufstehen, spät heimkommen
und zwischendurch Formulare ausfüllen,
damit sie beweisen können, dass ihre Kühe wirklich Kühe sind?
Wahrscheinlich nicht.
Die Welt der Konsumenten?
Auch eher nein.
Aber dazu später.
Oder die Welt jener Produzenten,
die mit Standards arbeiten dürfen,
die wir in Österreich schon zu Schilling-Zeiten
mit einem leichten Kopfschütteln beerdigt haben?
Schauen wir kurz hin. Ganz ruhig. Fast neugierig.
Rindfleisch.
In Südamerika wächst es günstiger.
Die Kühe scheinen dort weniger Ansprüche zu haben.
Die EU öffnet Importquoten.
Der österreichische Rinderbauer schaut zu
und fragt sich,
ob seine Kuh vielleicht einfach zu viel Persönlichkeit hat.
Tierwohl, Umwelt, Nachhaltigkeit –
alles da.
Irgendwo.
In sehr eleganten Broschüren.
Dann der Käse.
Unser Bergkäse ist geschützt.
Er darf nicht kopiert werden.
Das ist schön. Wirklich.
Ein paar Betriebe freuen sich.
Die anderen erklären weiter geduldig,
warum gute Milch nicht aus Excel-Tabellen kommt.
Soja und Futtermittel.
Mehr Import, günstigeres Futter.
Das klingt nach Fortschritt.
Der Regenwald sieht das vielleicht anders,
aber der hat ja keine Lobby.
Noch nicht.
Geflügel und Schwein.
Österreichische Betriebe mit hohen Auflagen
treffen auf Ware mit viel Freiheit.
Freiheit von Standards,
Freiheit von Kontrollen,
Freiheit von schlechtem Gewissen.
Ein fairer Wettbewerb,
wenn man Fairness sehr flexibel definiert.
Und jetzt der Teil, den ich besonders mag:
Lebensmittel werden nicht günstiger werden.
Nein, nein.
Sie werden nur anderswo billiger produziert.
Der Handel freut sich.
Der Konsument zahlt weiter.
Der Bauer darf dankbar sein,
Teil dieses großen europäischen Gedankenspiels zu sein.
Die Landwirte übrigens,
die haben ohnehin Spaß.
Neue Auflagen, neue Regeln, neue Nachweise.
Dazu Gespräche mit der Raiffeisenbank
und der Landwirtschaftskammer,
in denen erklärt wird,
warum das alles alternativlos ist
und man sich bitte nicht so anstellen soll.
Eh alles easy.
Eh alles modern.
Eh alles für eine bessere Welt.
Also: Wofür das alles?
Ich habe eine Vermutung.
Sie ist nicht besonders poetisch.
Es geht ums Geld.
Nicht um das kleine, krümelige Geld der österreichischen Bauern,
die mit erstaunlicher Ausdauer versuchen,
nicht unterzugehen.
Nein.
Es geht ums große Geld.
Das elegante Geld.
Das Geld, das nicht nach Stall riecht.
Das holen sich die großen Betriebe.
Ganz leise.
Ganz professionell.
Ganz legal.
Warum sich MEINDL-Reisinger darüber so freut,
verstehe ich vermutlich einfach nicht.
Vielleicht fehlt mir der Überblick.
Oder die Glaskugel.
Oder der Instagram-Filter.

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