Moderne Sakralplastik im Salzburger Raum

Hl. Nothburga von Jakob Adlhart

Hl. Nothburga von Jakob Adlhart | Fotos (5): Karl Traintinger, dorfbild.at

Jakob Adlharts Heiligenzykklus in der Obertrumer Pfarrkirche

Nach dem Großbrand von 1917 erhielt die Obertrumer Pfarrkirche nicht einfach einen wiederhergestellten Innenraum, sondern einen bewussten künstlerischen Neubeginn.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Dass Pfarrer Johann Schöndorfer sich gegen die zunächst vorgesehenen historistisch-neobarocken Lösungen des Diözesanarchitekten Karl Pirich entschied und stattdessen Jakob Adlhart mit der Ausstattung beauftragte, war ein bemerkenswert mutiger Schritt. Er machte die Kirche zu einem frühen und wichtigen Ort der Begegnung zwischen Salzburger Sakralkunst und der Moderne.

Adlhart, ein Schüler Anton Hanaks, gehört zu jenen Bildhauern, die das traditionelle religiöse Bildprogramm nicht aufgaben, wohl aber seine Formensprache radikal erneuerten. Die Figuren in Obertrum stehen in einem Spannungsfeld zwischen Expressionismus und einer bereits sich abzeichnenden Neuen Sachlichkeit. Sie sind blockhaft verdichtet, auf das Wesentliche reduziert und von einer monumentalen Präsenz, die über die räumlichen Maße hinausweist. Gerade diese Verbindung von formaler Strenge und geistiger Intensität macht ihren Rang aus.

Die Obertrumer Heiligenzyklen entstanden in der Zeit der wirtschaftlichen Not der frühen 1920er-Jahre, also unter den Bedingungen des sogenannten Inflationsstils. Dieser Begriff meint hier nicht bloß materielle Knappheit, sondern eine charakteristische ästhetische Haltung: Vereinfachung, Verdichtung und der Verzicht auf dekorative Überfülle. Adlharts Holzfiguren gewinnen daraus ihre besondere Kraft. Sie wirken zugleich archaisch und modern, streng und eindringlich.

Ikonographisch ist das Programm eng an die Lebenswelt des Ortes gebunden. Florian, Pankratius, Barbara, Leonhard, Isidor, Notburga, Elisabeth und Aloysius verknüpfen Heiligenverehrung mit lokalen Berufs- und Frömmigkeitsformen. Die Gemeinde findet sich in dieser Auswahl unmittelbar wieder; die Figuren sind nicht bloß liturgische Ausstattung, sondern kulturelle Repräsentanten eines dörflichen Selbstverständnisses.

Die zeitgenössische Resonanz war beachtlich. Bereits 1925 würdigte die Salzburger Chronik die Leistung Adlharts. Heute lässt sich mit größerer Distanz sagen: In Obertrum entstand kein bloß dekorativer Kirchenraum, sondern ein frühes Schlüsselwerk der modernen Sakralplastik im Raum Salzburg. Adlhart etablierte sich damit als eine der prägenden Persönlichkeiten der österreichischen Kirchenkunst des 20. Jahrhunderts.

Adlhart

Buchtipp: „Der Bildhauer Jakob Adlhart“ von Adolf Hahnl
Aktualisierter Nachdruck der 1. Auflage von 1980
Erschienen 2026 im Verlag St. Peter Salzburg

Das Buch in der Salzburger Rupertus-Buchhandlung kaufen >

Dorfzeitung.com

Freunde helfen der Dorfzeitung

Freunde helfen der Dorfzeitung durch ein Abo (=Mitgliedschaft)! Wir sind sehr stolz auf die Community, die uns unterstützt! Auf diese Weise ist es uns möglich, unabhängig zu bleiben. Ihre laufende Unterstützung macht den Unterschied.

Es gibt zwei einfache Wege, zum Freund der Dorfzeitung zu werden.

Überweisung der Abogebühr (ohne Kreditkartenabo)
Sie werden für ein Jahr ein außerordentliches Vereinsmitglied (ohne Rechte und Pflichten) des Herausgebervereins (Kulturverein Dorfzeitung KULTUR online) zum Jahrespreis von 54 €. Es ist dazu ihre Post- und E-Mailadresse notwendig, damit wir die Rechnung für den Mitgliedsbeitrag schicken können. Nach Eingang der Zahlung bekommen Sie einen Steady-Gastzugang für 1 Jahr. Verlängerungen sind möglich. Kontaktformular >

Direktabo mit Kreditkartenzahlung
Ein weiterer Weg ist ein Direktabo via Steady, wie es im Folgenden beschrieben und angeboten wird.

INSERT_STEADY_CHECKOUT_HERE

Kommentar hinterlassen zu "Moderne Sakralplastik im Salzburger Raum"

Hinterlasse einen Kommentar