Nachhaltige Innovation im menschlichen Maß

Nachhaltige Innovation im menschlichen Maß

Alle Fotos: Karl Traintinger, Dorfbild

Wie können moderne Technologien regionale Wirtschaftskreisläufe stärken, ohne neue Abhängigkeiten zu schaffen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die 8. Leopold Kohr-Summerschool am 10. September 2026 im Seminarsaal der Salzburger Stieglbrauerei.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Die diskutierten Themen reichten von Einsatz künstlicher Intelligenz über Holzbau und dezentrale Energieversorgung bis zur Nutzung biohybrider Systeme zur Erforschung des Lebens im Bienenstock. Moderiert wurde die Veranstaltung von Niko Paech, der für einen bewussten Umgang mit Wachstum und technischen Möglichkeiten bekannt wurde.

Holzbau für wachsende Städte

Wie sich nachhaltiges Bauen und städtische Nachverdichtung verbinden lassen, zeigte Michael Grobbauer mit seinem Projekt „LoftConcept“. Parametrische Massivholzsysteme ermöglichen flexible Bauweisen und helfen, vorhandene Flächen besser zu nutzen. Holz als regional verfügbarer Baustoff kann Ressourcen sparen und Wertschöpfung in der Region halten. Die vorgestellte Lösung steht für eine Architektur, die anpassungsfähig, ressourcenschonend und alltagstauglich ist.

KI zwischen Chance und Abhängigkeit

Stefan Wegenkittl von der Fachhochschule Salzburg GmbH. sprach über „AI in Balance“. Künstliche Intelligenz könne große Datenmengen auswerten und etwa in der Energieplanung oder regionalen Produktion eingesetzt werden. Gleichzeitig warnte Wegenkittl davor, Technologie als Selbstzweck zu betrachten. Damit digitale Systeme dem Menschen nützen, brauche es Fachwissen, kritisches Denken und digitale Souveränität. Andernfalls könnten wichtige Fähigkeiten verloren gehen und die Abhängigkeit von technischen Systemen weiter wachsen. „Balance zwischen Effizienz und Kontrollverlust ist für die Nachhaltigkeit essentiell!“

Energie aus kleinen Anlagen

Herbert Zlöbl von ZICON Systems stellte die „e Box“ vor. Das solarbetriebene Kleinkraftwerk verbindet Photovoltaik-Thermie mit thermischen Speichern und soll eine möglichst autonome Energieversorgung ermöglichen. „Gebäude sind das größte Energieproblem der Welt. Wie ist es möglich, Sommerwärme verlustfrei für den Winter zu speichern?“

Im Mittelpunkt steht ein Prinzip, das gut zu Leopold Kohrs Denken passt: Kleine, überschaubare Einheiten sind oft widerstandsfähiger und leichter steuerbar als zentral organisierte Großsysteme. Dezentrale Lösungen könnten daher besonders für Gemeinden und regionale Betriebe interessant sein.

Was Bienen über Zusammenarbeit lehren

Einen ungewöhnlichen Zugang zur Innovation bot Martin Stefanec vom Artificial Life Lab der Universität Graz. In den EU-Projekten HIVEOPOLIS, RoboRoyale und SensorBees erforschen Wissenschaftler das Zusammenspiel von Honigbienen, Sensoren und Robotik.

Ein Bienenvolk besteht aus tausenden Tieren und funktioniert dennoch als gut abgestimmtes Ganzes. Die Forschung untersucht, wie Kommunikation und Selbstorganisation dabei zusammenspielen. Daraus könnten auch Erkenntnisse für technische Systeme gewonnen werden, die sich eigenständig koordinieren.

Musikalisch begleitet wurde die Summerschool von Alexandra Seywald.

Die Summerschool zeigte, dass nachhaltige Innovation mehr ist als technischer Fortschritt. Entscheidend ist, ob neue Lösungen Menschen stärken, regionale Kreisläufe fördern und Abhängigkeiten verringern. Damit knüpfte die Veranstaltung an Leopold Kohrs Idee des „menschlichen Maßes“ an.

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