„Nora“ – als Partygirl im Kunstquartier

Henrik Ibsens 1879 uraufgeführtes Schauspiel, ein Meisterwerk des naturalistischen Theaters, gilt als zeitloses Plädoyer für die Rechte der Frau. Die aktuelle Inszenierung der Abteilung Schauspiel und Regie der Universität Mozarteum gestaltet das Emanzipationsdrama als schräge Gesellschaftsparodie.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Nora ist euphorisch, sie hat es geschafft, endlich kommt Geld in die leere Haushaltskasse, denn ihr Mann ist zum Bankdirektor befördert worden. Schluss mit Sticken, Stricken und Hinterglasmalerei, jetzt geht es auf zum Shoppen. Sie fühlt sich wohl als oberflächliches Partygirl und hat kein Ohr für die Sorgen ihrer Jugendfreundin Christine. Die heitere Idylle wird jedoch gestört, als Krogstad auftaucht. Denn dieser Mann, mit dem Nora ein dunkles Geheimnis teilt, lässt sich nicht so leicht abwimmeln.

Ein langer Tapeziertisch mit unzähligen Sektflöten und Weingläsern beherrscht die Bühne, dazwischen balanciert Nora mit flottem Partyhütchen und neckischem Kleidchen. Hier kann sie trinken und tanzen und, wenn sie gestört wird, nimmt sie eine puppenartige Pose ein und stellt sich einfach taub. Agnes Kammerer brilliert in der Rolle der unbeschwerten Nora, Johannes Lange ist ihr als Krogstad ein ebenbürtiger Gegner. Ihre Machtkämpfe voll grotesker Gestik und Pantomime gehören zu den Höhepunkten des Abends.

Simon Werdelis kämpft als Noras Gatte Helmer mit seinen moralischen Grundprinzipien auf verlorenem Posten. Diana Ebert muss als trübselige Christine im grauen Businesskostümchen über die Bühne schleichen und Tim-Fabian H…

Kommentar hinterlassen zu "„Nora“ – als Partygirl im Kunstquartier"

Hinterlasse einen Kommentar