Norddalmatien Teil I: Städteimpressionen

Norddalmatien Teil I: Städteimpressionen

Zadar, Novigrad, Biograd, Obrovac

Nachdem wir in den vergangenen Jahren jeweils im Frühling und Spätsommer/ Herbst Istrien durchstreift haben (Rijeka wurde dabei eine unserer absoluten Lieblingsstädte), stand im April dieses Jahres Norddalmatien auf dem Programm.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld
Sarród & Salzburg

Gewohnt haben wir in Kruševo. Es ist ein kleines Dorf in der Bukovica‑Region Norddalmatiens, das sowohl eine sehr alte Siedlungsgeschichte als auch tiefe Spuren des Kroatienkriegs (1991–1995) trägt. Es gehört administrativ zur Stadt Obrovac und liegt nur wenige Kilometer südwestlich davon.

Unsere Wohnung hatte Blick auf das nur 100 Meter entfernte glasklare Meer, das Karinsko more, eine kleine geschützte Bucht der Adria.

Unsere Gastgeberin und unser Gastgeber waren nicht nur ausgesprochen hundefreundlich sondern auch uns sehr zugetan.

Wie immer ist dies kein klassischer Reisebericht – siehe auch meine Istrienberichte hier in der Dorfzeitung. Es ist vielmehr der Versuch, Aspekte unserer ganz persönlichen Eindrücke zu schildern.

In Teil I stehen die Städte Zadar, Novigrad, Biograd und Obrovac im Mittelpunkt. Und unvermeidlich das omnipräsente Meer sowie die uns immer wieder magisch anziehenden Häfen mit ihren Booten verschiedenster Art. Mit ihrem ganz besonderen Flair. Ihrem Lebensstil.

(Die nachfolgenden Ausführungen sind teilweise durch KI unterstützt.)

Zadar, Biograd, Novigrad und Obrovac sind durch ihre gemeinsame Zugehörigkeit zur Region Norddalmatien, ihre enge historische Verflechtung (Römer, Venezianer, Osmanen) und durch die Landschaftsachse Zrmanja–Velebit–Adria miteinander verbunden. Sie bilden ein zusammenhängendes kulturelles, historisches und geografisches Gefüge.

Was diese vier Städte konkret verbindet

1. Alle liegen in der Region Zadar / Norddalmatien

Zadar ist das administrative Zentrum, Biograd ein historischer Küstenort, Novigrad und Obrovac liegen am Übergang zwischen Küste und Hinterland. Die Region ist geprägt von Küstenlandschaften, Inselarchipelen, Karstgebirge und Flusstälern.

2. Gemeinsame historische Schichten: Römer – Venezianer – Osmanen – Kroatische Könige

  • Zadar: römisches Forum, venezianische Mauern, jahrtausendealte Stadtgeschichte.
  • Biograd: wichtiger Ort für kroatische Könige und Teil derselben historischen Machtachsen wie Zadar.
  • Novigrad: mittelalterliche Festung, Legende um Königin Elisabeth von Bosnien.
  • Obrovac: strategischer Ort am Fluss Zrmanja, Festung Kurjaković. Insbesondere auf  den Fluss Zrmanja – upps, da fällt mir erst auf, der Name unserer Gastgeberin, Manja. Na jedenfalls auf den Fluss gehe ich im nächsten Teil der Berichterstattung ausführlich ein.

Alle vier Orte zeigen Spuren römischer, venezianischer und osmanischer Präsenz – ein typisches Merkmal Norddalmatiens.

3. Geografische Verbindung durch Flüsse, Fjorde und das Velebit-Gebirge

  • Zrmanja-Fluss: prägt Obrovac und Novigrad und verbindet das Hinterland mit der Adria.
  • Novigrader Meer / Fjord: ein markantes Naturmerkmal, das Novigrad mit dem Küstenraum verbindet.
  • Velebit-Gebirge: bildet den nördlichen Rahmen der Region und prägt Klima, Geschichte und Siedlungsstruktur.

Diese Landschaftsachse verbindet Küstenorte wie Zadar und Biograd mit den Fluss- und Karstlandschaften von Obrovac und Novigrad.

4. Kulturelle und kulinarische Gemeinsamkeiten

  • Dalmatinische Küche: Lamm, Olivenöl, Käse, Fisch – überall präsent – zumindest in der Hauptsaison.
  • Traditionelle Konobas, mediterrane Lebensweise, starke lokale Identität.
  • Gemeinsame Feste, Märkte und regionale Produkte (z. B. Pršut, Olivenöl aus Ravni Kotari).

5. Touristische und landschaftliche Achse

Alle vier Orte sind Teil eines touristischen Dreiecks aus:

  • Küste (Zadar, Biograd)
  • Fjord- und Flusslandschaften (Novigrad, Obrovac)
  • Nationalparks (Paklenica, Krka, Velebit) in unmittelbarer Nähe.

Die vier Städte sind nicht zufällig Nachbarn, sondern bilden ein historisch, kulturell und geografisch eng verflochtenes Ensemble. Sie erzählen gemeinsam die Geschichte Norddalmatiens – von römischen Straßen über venezianische Festungen bis zu osmanischen Spuren und dalmatinischer Alltagskultur.

6. Der Krieg

Erstmals trafen wir so richtig bei unserem Besuch in Obrovac auf die Spuren des Jugoslawienkriegs, der sich besonders entlang der Achse Zadar – Ravni Kotari – Obrovac – Novigrad – Benkovac – Knin abspielte. Die Region war Teil der Frontlinie zwischen kroatischen Kräften und der serbisch kontrollierten „Republik Serbische Krajina“, weshalb viele Orte bis heute zerstörte Gebäude, Einschusslöcher, verlassene Dörfer und militärische Relikte zeigen.

Die Kämpfe in Kroatien begannen im Sommer 1991 und breiteten sich rasch bis nach Dalmatien aus. Bereits am 02.07.1991 erreichten die Kampfhandlungen Dalmatien. Zadar und sein Hinterland wurden zu einem der wichtigsten Schauplätze. Bei ihrem Rückzug hinterließen die Serben „verbrannte Erde“.

Das, was heute noch davon zu sehen ist – wir sahen zerstörte Gebäude, wir sahen Einschusslöcher, wir sahen Gräber und Kreuze am Wegrand, sollte uns allen, sollte Europa, eine eindringliche Warnung sein. Wir brauchen ein starkes Europa. Ein Europa, welches die Interessen von West und Ost zu gleichen Teilen berücksichtigt. Alles ist miteinander verflochten. So kann ganz aktuell der Regierungswechsel in Ungarn nur äußerst positiv beurteilt werden.

Unsere ganz persönlichen Eindrücke zu den einzelnen Städten

Zadar. Nun, nicht so prickelnd wie Rijeka. Die Altstadt – klar. Phantastische Relikte und Sakralbauten. Die diversen Häfen. Spannend, die moderne Architektur entlang. Sehr fein die Stadtstrände. Erinnerten mich ein wenig an „mein Barcelona“ längst vergangener Zeiten. Ein Ort absoluter Kontemplation, besonders wenn nicht viele Menschen sich dort versammeln, die Meeresorgel. Sie ist ein einzigartiges architektonisches Musikinstrument, das allein durch die Bewegung des Meeres Klang erzeugt. Sie gilt heute als eines der poetischsten Wahrzeichen Norddalmatiens und verbindet Natur, Architektur und Klangkunst auf unverwechselbare Weise. Kulinarik…keine wirkliche Ahnung. Nachdem wir in einem vielversprechenden Restaurant in toller Lage wegen unserer Hündinnen schroff abgewiesen wurden, war uns der Appetit vergangen. Unseren doch dann letztendlich vorhandenen Hunger stillten wir in einem kleinen Strandbistro. Da war das Essen authentisch, üppig und lecker. Übrigens war die Bedienung – wie alle Bedienungen, auf die wir getroffen sind – freundlich und zuvorkommend. Wir geben der Stadt noch in diesem Jahr eine zweite Chance.

Novigrad. Eine absolute Perle. Liegt am Südufer des Novigrader Meeres, einer schmalen, fjordähnlichen Bucht. Sehr authentisch und zu dieser Jahreszeit völlig verschlafen. Ungewöhnlich geschützter Hafen in dem eine ganze Reihe kleiner Fischerboote vor Anker liegen.

Apropos Fischerboote. Wir haben nach einem Fischgeschäft gefragt: Fehlanzeige. Fisch gibt’s direkt vom Boot. Aber wann? Einfach: Wenns da ist! Fischrestaurant – um diese Jahreszeit? You pay for everything! Also wiederkommen. Eh klar.

Wunderschöne Steinhäuser, eine lange Promenade. Oberhalb des Ortes: mittelalterliche Festung, in der 1386–1387 Königin Elisabeth von Anjou und ihre Tochter Maria gefangen gehalten wurden. Den Aufstieg zur Festung haben wir uns und vor allem den Hündinnen wegen der steilen Treppen erspart, dafür deren Anblick genossen.

Biograd. Besonders beeindruckt haben uns die Anfahrt zur Stadt sowie die sich dort bietenden Ausblicke. Die Altstadt liegt auf einer kleinen Halbinsel – ein klassisches dalmatinisches Stadtbild.  Strände, Kiefernwälder, der Blick auf den Pašman-Kanal und die Inseln schaffen eine ruhige, mediterrane Stimmung. Zwei große Yachthäfen machen Biograd zu einem der wichtigsten nautischen Zentren Dalmatiens.

Die sakrale Architektur & archäologische Spuren haben wir vernachlässigt. Haben es anstatt vorgezogen, am Fährhafen einen Cappuccino zu trinken. Unsere alten Hündinnen brauchen immer wieder dringend Pausen – die auch wir sehr genießen.

Obrovac. Der Ort liegt 11 km flussaufwärts vom Novigradsko more und schmiegt sich eng an die Kurve der Zrmanja, deren Tal von bis zu 200 m hohen Kalkfelsen eingerahmt wird. Diese fjordartige Szenerie ist eines der markantesten Naturbilder Norddalmatiens. Eine Ruine thront über der Stadt und erzählt von venezianischen, osmanischen und habsburgischen Machtkämpfen.

Tief berührt haben uns die an vielen Stellen der Stadt immer noch sichtbaren Kriegsschäden. Ein fast gespenstisches Erlebnis. Mit einer offensichtlich gebildeten und offenen Bedienung haben wir in einem Caffee darüber ein längeres Gespräch geführt. Dafür, dass diese teilweise markanten Schäden auch mehr als 30 Jahre nach Kriegsende noch nicht beseitigt werden konnten, machte sie Politik und Korruption verantwortlich. Eine einzelne Meinung, die aber sicher eine Berechtigung hat. Und klar, es stellt sich die Frage nach Verfügbarkeit und Verwendung von EU-Geldern.

Fazit: Es hat sich gelohnt, diese Städte besucht zu haben!

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