Novemberpogrome: Erinnerung und Lehre für heute

Kerzen_So_Wochenkommentar

Wir sind mitten im November – einem Monat des Gedenkens und Erinnerns. Es jährt sich erneut die Nacht der Novemberpogrome. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden Jüdinnen und Juden systematisch aus den Städten vertrieben, misshandelt und verschleppt. Die Gewalt wurde von lokalen SA- und SS-Trupps organisiert und ausgeführt.

Von Jana Djordjevic

Während dieser Pogrome fanden Enteignungen und Zerstörungen in großem Ausmaß statt. Synagogen wurden verwüstet, das Mobiliar zerstört, Geschäfte jüdischer Bürgerinnen und Bürger geplündert und in Brand gesetzt. Vielen wurden die Gewerbeberechtigungen entzogen, zahlreiche Familien mussten aus Salzburg flüchten. Diese Nacht ging später unter dem zynischen Namen „Reichskristallnacht“ in die Geschichte ein. Im Bundesland Salzburg gab es zu diesem Zeitpunkt zwar keine Todesopfer, doch über 60 jüdische Männer wurden verhaftet und teilweise in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Diejenigen, die noch in Salzburg geblieben sind, wurden gezwungen, die Stadt sofort zu verlassen. Wer fliehen konnte, musste alles zurücklassen und irgendwo neu beginnen. Der Rest fiel dem nationalsozialistischen System zum Opfer.

Heute, fast neun Jahrzehnte später, erleben wir erneut antisemitische Hetze. Die gesellschaftliche Lage ist angespannt, alte Stereotypen und Vorurteile kochen wieder hoch. Nach Angaben des Innenministeriums wurden vergangenes Jahr 1520 antisemitische Vorfälle registriert – rund ein Drittel mehr als 2023. Nicht zu vergessen ist der Vorfall im Jahr 2024, als ein 18-jähriger Salzburger mehrfach auf das israelische Konsulat in München schoss, motiviert durch antisemitischen Hass. Diese Entwicklungen zeigen, dass die Gefahr von Hass und Intoleranz nicht der Vergangenheit angehört.

Doch Menschen dürfen niemals wegen ihrer Herkunft oder ihrer Religion diskriminiert oder ausgegrenzt werden – weder damals noch heute. Kritik an der israelischen Regierung darf nicht pauschal auf alle Jüdinnen und Juden übertragen werden. Ebenso ist nicht jede Kritik an der israelischen Regierung automatisch antisemitisch. Es muss möglich sein, respektvoll miteinander zu sprechen, auch wenn die Themen schwierig sind. Nur so kann ein friedliches und respektvolles Zusammenleben gelingen. Gerade im Angesicht der Geschichte dürfen wir uns nicht mit bloßen Worten zufriedengeben. Der Satz „Nie wieder“ verliert an Bedeutung, wenn er nur einmal im Jahr ausgesprochen wird. Gedenken bedeutet, Konsequenzen zu ziehen – im Denken, im Reden, im Handeln.

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