Orban ist Geschichte

Vögel über dem ungarischen Teil des Neusiedlersees | Foto: Karl Traintinger

Vögel über dem ungarischen Teil des Neusiedlersees | Foto: © Karl Traintinger

Zumindest ist er nicht mehr an der Macht. Und schon dieser eine Satz trägt das Gewicht einer Veränderung, die weit über ein Land hinausreicht. Ungarn wird sich wandeln, Europa wird es spüren. Nicht laut, nicht abrupt – eher wie ein langsames Verschieben der Wirklichkeit, das man erst im Rückblick ganz begreift.

Alois Schöninger

Von Alois Schöninger
Hallein, Salzburg

Peter Magyar, vor zwei Jahren noch ein Name ohne Bedeutung im politischen Gedächtnis, steht nun im Zentrum dieses Umbruchs. In einer erstaunlich kurzen Zeit hat er etwas erreicht, das man nicht gering schätzen sollte. Es ist leicht, Erfolge kleinzureden – schwerer ist es, sie anzuerkennen.

Und doch beginnt die eigentliche Arbeit erst jetzt. Denn Macht vergeht nicht einfach. Sie hinterlässt Spuren, sie verankert sich in Strukturen, in Behörden, in Gewohnheiten. Die Jahre von Orban sitzen tief im Gefüge des Staates. Das ist kein ungarisches Spezifikum. Selbst im Kleinen, in einer Gemeinde, ringt ein neuer Bürgermeister oft mit den Netzwerken seines Vorgängers. Wie viel mehr gilt das für ein ganzes Land.

Es wird nicht einfach für Magyar und jene, die mit ihm gekommen sind. Aber genau darin liegt die Aufgabe: den errungenen Wahlsieg nicht nur zu verwalten, sondern ihn umzusetzen. Geradlinig. Beharrlich. Gegen Widerstände, die selten offen auftreten, sondern sich lieber im Verborgenen halten.

Man könnte nun eine Liste an Vorwürfen und Erzählungen schreiben, welche bereits im Umlauf sind. Am Ende läuft alles auf dasselbe hinaus: den Anspruch, die eine, einzig richtige Wahrheit zu besitzen. Magyar wird zum Linken erklärt, zum von der EU gesteuerten Politiker. Es sind Zuschreibungen, die weniger über ihn aussagen als über jene, die sie verwenden.

Und das Muster ist bekannt. Was man selbst tut, legt man dem anderen zur Last. Es ist eine Verkehrung der Wirklichkeit, die so oft wiederholt wird, bis sie für manche zur Wahrheit gerinnt. Während ein Mann wie JD Vance der Europäischen Union Einmischung vorwirft, tritt er gleichzeitig als Unterstützer Orbans auf. Es ist ein Spiel mit Spiegeln, in dem das Eigene stets im Fremden erscheint.

Man könnte sich darüber ärgern. Über die Absurdität, über die Dreistigkeit, über die offensichtlichen Widersprüche. Doch meistens führt Ärger nicht weit. Vielleicht ist es klüger, sich an das zu halten, was Bestand hat.

An die Realität. Und an das, was sie verlangt: den Einsatz für Demokratie. Nicht als Schlagwort, sondern als tägliche Praxis. Gerade jetzt, da jene, die sie untergraben, mehr Zulauf erhalten.

Und dennoch gibt es Hoffnung. Sie hat Gesichter. Sie hat Namen. Magyar ist einer davon. New Yorks Bürgermeister Mamdani ist ein anderer. Sie und viele mehr stehen für den Versuch, Politik nicht als Kampf zwischen Schwarz und Weiß zu begreifen, sondern als Arbeit an einer vielschichtigen Wirklichkeit.

Denn die Welt ist nicht schwarz oder weiß. Sie war es nie. Und Politik erschöpft sich nicht in den Kategorien von links und rechts.

Es geht um Lösungen. Um ein Leben in Würde. Um Wohlstand, der getragen wird, nicht versprochen. Um ein Gesundheitssystem, das funktioniert. Um Arbeit, die Perspektiven schafft.

Es geht darum, dass Frauen die gleichen Rechte haben wie Männer – nicht als Forderung, sondern als Selbstverständlichkeit. Dass Herkunft nicht über Wert entscheidet. Dass Menschen frei leben können, unabhängig davon, wen sie lieben. Und ja, es geht auch um Bildung. Vielleicht mehr als um alles andere. Denn ohne Bildung bleibt jede Demokratie ein Versprechen, das zu leicht zerbricht.

Es besteht also Hoffnung. Nach Mamdani. Nach Magyar. Nach vielen anderen.

Aber Hoffnung ist kein Zustand.

Sie ist eine Aufgabe. Für jeden von uns.

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