
Ja auch mein Land. Obwohl Migrant.
Oder vielleicht gerade deshalb?
Schließlich habe ich ja dieses Land freiwillig gewählt.
Wurde nicht zwangshineingeboren.
Sozusagen aus mütterlicher Vulva auf österreichisches Territorium hinaus gepresst.
Nein, ich bin aufrecht auf beiden Beinen selbst gekommen.
Vielleicht etwas blauäugig.
Aber immerhin nicht blau.
Jetzt lebe ich hier in „Felix Austria“. Schon zehn Jahre.
Es geht mir gut.
Und dennoch fühle ich mich oft nicht wohl.
Ich hätte gewarnt sein sollen, als ich Anfang der 80er Jahre bei einer Filmproduktion in Wien in einer der großen Hallen über einem Tor die Aufschrift „Arbeit macht frei“ entdeckte.
Denn die braune Brut kriecht hier immer noch herum. Mehr. Sie hat längst begonnen, sich aufzurichten. Sozusagen in brauner Au wohlgenährt.
Aber es ist nicht nur dieser Strachismus. Oder ein volksparteilich verbrämter Fekterismus. Was fast noch schlimmer ist. Weil.
Es ist auch der Grassismus einer vermeintlichen Elite, die glaubt, sich wie in einem Bananenstaat alles erlauben, alles nehmen zu können. Jus primae noctis, droit de cuissage. Zum Glück wurden jetzt endlich erste Urteile gefällt, die Gegenzeichen gesetzt haben. Mögen die ProtagonistInnen der Selbstbedienung das Fegefeuer erleben!
Es ist auch die Suche nach Führern, die mich in diesem Land, meiner Wahlheimat, mehr als irritiert. Die einen wollen ihn fesch und kämpferisch. Halten ihre Brüste hin, damit er sie lustvoll signiert. Und grölen in Bierzelten zusammen mit ihm gegen alles vermeintlich Fremde.
Die anderen setzen neuerdings auf die Geriatrie und begeistern sich für die dementen Gedanken eines gestrigen Milliardärs.
Oder noch Gestrigere hoffen auf die Rückkehr des. Kaisertreu nennen sie sich. Ich kann es nicht glauben. Wollen den Meran heimführen. Und überhaupt.
Ja. Dann haben wir noch einen feigen Kanzler. Entschuldigung. Ich wollte sagen feinen Kanzler. Einen, der sich nicht stellt. Einen Saubermann, dessen Weste grasserweiss ist.
Aber die, die hackeln, die stellen sich. Auch im Blaumann. Und solange dies die SPÖ nicht kapiert, solange wird sie nicht wirklich die Stimmen des Volkes mehrheitlich auf sich vereinen können. Solange wird sie auf eine Koalition der gegenseitigen Blockaden angewies…
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