Pegasus zertritt einen Krebs

Pegasus zertritt Krebs

Ein Haus voller Bücher, Geschichten und ein bisschen Magie – Die Buchhandlung Höllrigl bleibt Salzburgs literarisches Herz

Wer durch die Sigmund-Haffner-Gasse schlendert, ahnt meist nicht, an einem der ältesten Kulturorte des Landes vorbeizukommen. Zwischen Cafés, Boutiquen und Touristenströmen liegt die Buchhandlung Höllrigl – ein Ort, der seit 1598 Bücher verkauft, Geschichten bewahrt und Menschen zusammenbringt. Wer das Geschäft betritt, spürt sofort: Hier ist Salzburg noch ein Stück weit so, wie es einmal war.

Von Karl Traintinger

Ein charmantes Detail prangt noch heute über dem Eingang: ein kunstvolles Wappen, das sich nicht zu ernst nimmt. Darauf steht der lateinische Spruch: „Habent sua fata libelli“ – Bücher haben ihr eigenes Schicksal. Dazu ein Bild, das Büchermenschen schmunzeln lässt: Ein Pegasus – Symbol für den gut verkauften Bestseller – zertritt einen Krebs, der früher für Remittenden stand, also Ladenhüter, die „im Krebsgang“ zurück zum Verlag wanderten.

Wie alles begann – ein Drucker namens Kürner

Die Geschichte beginnt vor mehr als 400 Jahren mit Konrad Kürner, dem Hofbuchdrucker der Fürsterzbischöfe. Buchhandlungen, wie wir sie heute kennen, gab es damals noch nicht. Wer lesen wollte, ging direkt zum Drucker und Höllrigl ist einer der wenigen Orte, die diese Entwicklung bis heute sichtbar machen.

Kirchliche Werke waren die frühen Klassiker im Sortiment, Choralbücher für den Dom gingen hier über den Tisch – oder besser: durch die Druckerpresse.

Ein Haus, das Salzburgs Geschichte erzählt

Die Buchhandlung befindet sich im Ritzerbogenhaus, einem der geschichtsträchtigsten Gebäude der Altstadt. 1675 kam es beim Ritzerbogen zu einem heftigen Streit, bei dem Studenten und Soldaten in voller Schlachtordnung aufeinandertrafen.

Wer heute eintritt, hört vielleicht nur das Rascheln von Buchseiten, doch die Mauern haben viel erlebt: Professoren, Studierende, Geistliche, Literaten, Drucker und Händler – alle hinterließen ihre Spuren.

Vom Aufklärungszentrum zur Kultbuchhandlung

Im 18. Jahrhundert wurde die damalige Duyle’sche Buchhandlung zum Treffpunkt der Aufklärung. Zeitschriften, Diskussionen, neue Gedanken – all das fand hier ein Zuhause. Das Buch war damals mehr als Unterhaltung, es war politisches Werkzeug und intellektuelle Waffe.

1900 übernahm Eduard Höllrigl das Geschäft. Die Familie prägte über Jahrzehnte die Atmosphäre und gab ihr jenen Namen, den bis heute alle kennen. Seit Anfang 2024 gehört der Betrieb zur Morawa-Gruppe – geblieben ist zum Glück das typische Höllrigl-Flair: warm, persönlich und wunderbar verwinkelt.

Ein Treffpunkt für Kopf und Herz

Auch heute ist die Buchhandlung mehr als ein Ort zum Kaufen. Wer hineingeht, bleibt oft länger als geplant: zwischen Literaturklassikern, Neuerscheinungen und Gesprächen mit dem Team, das nicht nur Bücher verkauft, sondern Empfehlungen schenkt. Hier treffen sich Menschen, die lesen, denken, stöbern und manchmal einfach nur durchatmen wollen.

Warum Höllrigl so wichtig bleibt

In Zeiten, in denen das gedruckte Buch immer wieder totgesagt wird, wirkt Höllrigl wie ein kleines Wunder – und ein Gegenbeweis. Es zeigt, dass Tradition und Zukunft sich nicht ausschließen müssen. Und es beweist, dass Orte wie diese etwas bieten, was kein Online-Shop ersetzen kann: Atmosphäre, Geschichte, Austausch. Allein die zahlreichen Kristalllüster sind einen Besuch wert!

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