Peter Reutterer: Jahreszeiten. Gedichte

Peter Reutterer

Peter Reutterer | Foto: Karl Traintinger

 Reutterer Jahreszeiten

Autor: Peter Reutterer
Titel: Jahreszeiten
Genre: Lyrik
ISBN: 978-3-99126-430-9
Verlag:Bibliothek der Provinz
Erschienen: 4. Mai 2026

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Klappentext:

„Jahreszeiten“ führt von der Heimat bis in die USA, bedenkt Existenzielles und erfreut sich zwischendurch der Satire.

„Die kurzen, leichtfüßig daherkommenden Texte fangen Stimmungen und Eindrücke ein“, charakterisiert Georg Fink das Schreiben von Peter Reutterer, in dessen Lyrik sich sowohl „Perlen der Schönheit“ als auch „Kritische Betrachtungen“ fänden; in jedem Fall aber ein „wacher Blick auf die Wirklichkeit“.

Rezension von Maria Magdalena Cervenka

Klagenfurt, Kärnten

„Literarisches Schreiben ist für mich eine Forschung an der Wirklichkeit.“ 

Das sagt Peter Reuterer in einem Interview. Nun liegt ein weiterer „Bericht“ seiner Forschungen vor.

Mit dem Titel „Jahreszeiten“. Gedichte. Abgebildet am Cover des Buches Bilder, die auf die vier Jahreszeiten verweisen. Dieses doppelte Versprechen wird all jene enttäuschen, die sich nostalgische Naturbeschreibungen erhoffen. Wer aber Peter Reutterer als Schriftsteller und Lyriker kennt, wird mit Spannung auf seine „Forschungsergebnisse“ blicken, die sich in seinem neuen Gedichtband erkunden lassen.

LeserInnen finden weit über den Jahresring hinaus Erkundungen zu „Jahreszeiten“ des Lebens, der Liebe, des Reisens und der sich veränderten politischen Welt. Sie führen – scheinbar leichtfüßig – spazierend – durch die Wahrnehmungen des lyrischen Ichs. Sich nicht festklammern an einem Ort, einem Bild, einer sinnlichen Erfahrung, keinen roten Lebens-Faden vortäuschen, der Beständigkeit glaubhaft machen kann. Dies ist der Schreib-Faden, der LeserInnen in diesem Gedichtband erwartet. Es ließen sich viele große SchriftstellerInnen hier als Verwandte im künstlerischen Wirken anführen, Peter Handke sei genannt.

Der Band gliedert sich in drei Teile. Im Abschnitt 1 Jahreszeiten wird der Blick auf unsere vorgefertigten Bilder von Winter bis Winter gehörig durchgewirbelt. Idyllen blitzen auf, erblinden aber durch unerwartete Wendungen.

 „Moment. Im Sommer  / am Teich / sah ich // die Zeit / am Ufer / stehen // sie rührte / sich nicht.“

Im Abschnitt 2 Leichte Schieflage heißt es:

„Idylle. Der Himmel / himmelblau // die Wiese / leuchtend grün // das Bergpanorama // rundum berauschend // es stinkt / gewaltig / nach  Gülle.

Peter Reutterer ist ein Meister der Sinnlichkeit, der in verdichtete Sprache gewandelten Empfindungen aller Töne des Daseins. Wieder finden sich in diesem Band viele Gedichte, die klar und ohne falsche Sentimentalität dieses beweisen, es geht um Alter, Liebesempfindungen, Verstehen und Verstandenwerden.

  „ Problem. Alte Menschen / interessieren / sich nicht // für / alte Menschen.“

„Creator. Du in mir /und ich / aus dir // und das /ungewiss / gleichzeitig / unverbrüchlich.“

An einem anderen Ort“ wird der Abschnitt 3 genannt. Das Unterwegssein ist dem lyrischen Ich Notwendigkeit, als LeserInnen dürfen wir ihm von Salzburg aus übers Waldviertel nach Italien und weiter bis in die USA folgen und stoßen dabei auf „Sehenswürdigkeiten“, die uns als Lesende überraschen und uns nicht selten auch schmunzeln lassen:

„Vergebene Mühe. Auch im Jachthafen / von Sistiana / lässt sich der Cameriere / durch mein Italienisch / nicht davon abbringen // auf Englisch / zu antworten.“

 Oder uns nachdenklich zum Weiterdenken animieren:

„Santa Cruc. Woher beziehen / die Palmen / das Wasser für / ihren kraftvollen / Wuchs ins / Himmelblau // und woher / nehmen / die Kellner / ihre Gelassenheit.“

Dieser Band strahlt aber auch durch die klaren politischen Aussagen vieler Gedichte. Mit dem Wissen, der Erfahrung eines bewegten Lebens schaut das lyrische Ich auf die brisante Weltsituation und hinterfragt unter anderem den Gesinnungswandel vieler:

„Friedensdemenz. Meine Freunde haben / den Friedensglauben unserer / jungen Jahre / einfach vergessen // gegen Putin / sei Kanonenfutter / unumgänglich / meinen sie // wie böse das Versagen / gegenüber der / aktuellen Million / an Kriegstoten // wie böse vergessen / Borcherts Aufruf / „Sagt nein / Sagt nein“. „

Es stellen sich beim Lesen der Gedichte viele Fragen. Aber eine Frage, die ich in einem Gespräch über das Buch gestellt bekam: „warum Gedichte lesen, wo wir doch immer und zu jeder Zeit mit Informationen, Nachrichten und Meinungen überflutet werden, mit bewegten Bildern, Musik. Was braucht es da noch Wörter schwarz auf weiß? Was braucht es einen Schriftsteller wie Peter Reutterer? Die Antwort findet sich beim Lesen von Jahreszeiten. Es ist die Zeit der Ruhe, die man sich selbst schenkt. Es ist die Gewissheit, dass den Inhalten Wahrheit und Leben unverfälscht zu Grunde liegt. Und es ist die Gewissheit, dass ein Mensch die Sätze schwarz auf weiß zu Papier gebracht hat.

Und dass dieser Mensch auch um das wirklich Elementare im Leben weiß: „Abends. Innigkeit strahlte / in den Tag // jemand ging / nicht fort.“

Eine Leseempfehlung: die einzelnen Gedichte auskosten wir eine besondere Praline, ihrem Nachhall auf den Grund gehen!


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