Das Fotomuseum WestLicht zeigt derzeit mit PLATON. PEOPLE POWER eine umfassende Ausstellung des britischen Fotografen Platon. Bis 9. August 2026 sind in Wien eindringliche Porträts von Politiker:innen, Aktivist:innen, Künstler:innen und internationalen Popstars zu sehen.

Von Karl Traintinger
Platon, 1968 in London geboren und in Griechenland und England aufgewachsen, zählt zu den einflussreichsten Porträtfotografen der Gegenwart. Seine Arbeiten wurden in internationalen Magazinen wie TIME, The New Yorker, Rolling Stone und Vanity Fair veröffentlicht. Mehr als dreißig seiner Fotografien erschienen als Titelbilder des TIME-Magazins.
Seine Bildsprache ist unmittelbar und unverwechselbar. Klare Kontraste, grafische Strukturen, häufig Schwarz-Weiß und die extreme Nähe zu den Porträtierten prägen seine Aufnahmen. Oft arbeitet Platon mit einem Weitwinkelobjektiv aus kurzer Distanz. Dadurch entstehen Bilder, die nicht nur die öffentliche Rolle eines Menschen zeigen, sondern auch seine Persönlichkeit und Verletzlichkeit sichtbar machen.
Die Ausstellung versammelt Porträts von Wladimir Putin, Donald Trump und Muammar al-Gaddafi ebenso wie von Pussy Riot, Prince, Adele und Harry Styles. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, was Macht mit Menschen macht – und worauf Einfluss und Verantwortung tatsächlich beruhen.
Mir hat die Ausstellung sehr gut gefallen. Besonders beeindruckend ist der spannende Gegenpol zu den Porträts prominenter Persönlichkeiten: Arbeiten aus der Serie The Defenders. Für dieses langjährige Projekt reiste Platon in Krisen- und Konfliktgebiete auf der ganzen Welt. Er fotografierte Dissident:innen, Bürgerrechtler:innen und Aktivist:innen, die sich oft unter großem persönlichem Risiko für andere einsetzen.
Gerade dieser Dialog zwischen Staatsoberhäuptern, Stars und engagierten Menschen aus der Zivilgesellschaft verleiht der Ausstellung ihre besondere Kraft. Platon begegnet all seinen Porträtierten mit derselben Offenheit. Nicht das Amt oder die Bekanntheit stehen im Vordergrund, sondern der Mensch – mit seiner Würde, seinem Mut und seiner inneren Stärke.




International bekannt wurde Platon unter anderem durch sein Porträt des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Das Bild erschien 2008 auf der Titelseite des TIME-Magazins und wurde beim World Press Photo Award mit dem ersten Preis in der Kategorie Porträt ausgezeichnet. Ein weiteres Foto aus derselben Sitzung, das Putin in der Pose eines Mafiabosses zeigt, zählt zu Platons bekanntesten und meistdiskutierten Arbeiten.
Ab 2008 arbeitete Platon als Fotograf für The New Yorker. Im Jahr 2009 porträtierte er während der Generalversammlung der Vereinten Nationen innerhalb von fünf Tagen mehr als 130 Staats- und Regierungschefs. Dieses außergewöhnliche Projekt ist bis heute einzigartig.
Neben seiner fotografischen Arbeit engagiert sich Platon mit der gemeinnützigen Organisation The People’s Portfolio für Menschenrechte. Sie gibt Aktivist:innen, Bürgerrechtler:innen und Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen weltweit eine Stimme und ein Gesicht.

PLATON. PEOPLE POWER ist eine eindringliche Ausstellung über Macht, Verantwortung und Menschlichkeit. Ich kann den Besuch im Fotomuseum WestLicht daher sehr empfehlen. Die Schau ist noch bis 9. August 2026 zu sehen.
Die Ausstellung ist Teil des 25-Jahr-Jubiläums von WestLicht, das zugleich 200 Jahre Fotografie feiert. Rund 400 Gäste bei der Ausstellungseröffnung und 620 Besucher:innen beim Tag der offenen Tür bildeten einen erfolgreichen Auftakt des Jubiläumsprogramms.

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