Courbet sprengt Kunst und Konvention

Courbet sprengt Kunst und Konvention

Mit „Gustave Courbet. Realist und Rebell“ zeigt das Leopold Museum eine eindrucksvolle Retrospektive, die dem französischen Ausnahmekünstler erstmals in Österreich eine große Einzelausstellung widmet. Rund 130 Exponate, darunter 90 Gemälde, 20 Grafiken und zahlreiche Archivalien, geben einen umfassenden Einblick in das Werk des Begründers des Realismus.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Die Schau macht deutlich, wie radikal Courbet mit den idealisierenden Konventionen des 19. Jahrhunderts brach. In Porträts, Landschaften, Stillleben und ungeschönten Akten rückte er die sichtbare Wirklichkeit seiner Zeit in den Mittelpunkt. Besonders bemerkenswert ist, dass er einfachen Menschen aus seinem Umfeld jene monumentalen Formate gab, die bis dahin vor allem adeligen, historischen oder mythologischen Themen vorbehalten waren. Nach dem Abendessen in Ornans (L’Après-dînée à Ornans) zeigt das auf eindrucksvolle Weise: Eine alltägliche Szene erhält hier die Größe und Würde eines Historienbildes.

Auch Schlüsselwerke wie Die Begegnung, in dem Courbet seinem Mäzen selbstbewusst auf Augenhöhe entgegentritt, oder Der Ursprung der Welt (L’Origine du monde) unterstreichen seinen Anspruch auf künstlerische Unabhängigkeit. Der „Ursprung der Welt“ entstand 1866 als Auftragswerk für den türkischen Diplomaten und Sammler Khalil Bey. Das damals bewusst verborgene Bild wechselte später mehrfach den Besitzer und ist seit 1995 im Musée d’Orsay öffentlich zu sehen.

Die Malweise mit dichtem Farbauftrag (Malspachtel) verleiht vielen Bildern eine fast körperliche Präsenz. Die Ausstellung beleuchtet zudem Courbets politisches Engagement, seine Haft und das spätere Exil in der Schweiz.