Die Ausstellung Radikal! Künstlerinnen* und Moderne 1910–1950* im Unteren Belvedere in Wien ist ein eindrucksvolles Plädoyer für eine neue Sicht auf die Kunstgeschichte.

Von Karl Traintinger
Über 60 Künstlerinnen* aus mehr als 20 Ländern treten in einen fesselnden, interdisziplinären Dialog – ihre Werke reichen von Malerei und Skulptur bis hin zu Fotografie, Film, Textildesign und Grafik. Der Blick richtet sich auf jene, die bislang in der klassischen Kunstgeschichtsschreibung oft übersehen wurden. Werke von Frauen, queeren Personen oder People of Color blieben bis dato oft unsichtbar. Diese Sichtweise wird mit dieser Ausstellung eindrucksvoll geändert.
Statt stilistischer Einordnung steht die künstlerische Individualität im Fokus – kompromisslos, mutig und oft politisch. Viele der gezeigten Positionen waren ihrer Zeit weit voraus: kritisch, experimentell, unbequem. Themen wie Geschlechterrollen, Emanzipation, Krieg und Widerstand begegnen den Besucher:innen mit unerwarteter Aktualität. Namen wie Tamara de Lempicka, Fahrelnissa Zeid, Hannah Höch oder Käthe Kollwitz stehen exemplarisch für die Radikalität und Ausdrucksstärke dieser Generation.









Kuratorin Stephanie Auer (Assistenzkurator*innen: Miroslav Haľák und Katarina Lozo) schafft mit klarem Konzept und starker Präsentation Raum für neue Perspektiven. Die Vielfalt an Techniken, Positionen und biografischen Hintergründen macht diese Ausstellung zu einem ebenso sinnlichen wie intellektuellen Erlebnis. Die Ausstellungsgestaltung von Dominik Strzelec, Marie Artaker und Alexandra Möllner unterstützt das Thema gekonnt.
Der Besuch im Unteren Belvedere hat mich begeistert. „Radikal!“ lädt dazu ein, die Moderne einmal ganz anders zu sehen und spannende, bislang übersehene Künstlerstimmen zu entdecken. Die Ausstellung ist bewegend, überraschend und absolut am Puls der Zeit – also: hingehen, anschauen, staunen!
PS: Die Schreibweise Künstlerinnen* betont die Vielfalt der in der Ausstellung vertretenen Identitäten.

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