Regionalkultur: Wo Menschen ihr Dorf mitgestalten

Wirtshausrunde V. l.: Christian Vötter (Verein TAURISKA), Christa Fuchsberger, Evelyn Brunauer, Lucia Luidold (Salzburger Volkskultur), Ewald Hiebl (Universität Salzburg / Leopold Kohr-Archiv), Fabian Burstein (Kulturmanager, Autor), Julia Wörndl-Brandweiner (Salzburger Volkskultur), Susanna Vötter-Dankl, Sarah Vötter (Leopold Kohr®-Akademie), Berta Wagner (Salzburger Volkskultur). Das Foto zeigt die enge Zusammenarbeit zwischen regionalen Kulturinitiativen und der Salzburger Volkskultur.

Wirtshausrunde V. l.: Christian Vötter (Verein TAURISKA), Christa Fuchsberger, Evelyn Brunauer, Lucia Luidold (Salzburger Volkskultur), Ewald Hiebl (Universität Salzburg / Leopold Kohr-Archiv), Fabian Burstein (Kulturmanager, Autor), Julia Wörndl-Brandweiner (Salzburger Volkskultur), Susanna Vötter-Dankl, Sarah Vötter (Leopold Kohr®-Akademie), Berta Wagner (Salzburger Volkskultur). Das Foto zeigt die enge Zusammenarbeit zwischen regionalen Kulturinitiativen und der Salzburger Volkskultur | Foto: Leopold Kohr Akademie

Salzburg, September 2026. Was hält Regionalkultur lebendig – und wie kann sie sich weiterentwickeln? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Akademische Wirtshaus der Leopold-Kohr-Akademie im Haus der Volkskulturen in Salzburg.

Im Mittelpunkt stand die Idee des „menschlichen Maßes“ von Leopold Kohr. Dabei geht es um überschaubare Strukturen, Eigenverantwortung und die Möglichkeit, das eigene Umfeld aktiv mitzugestalten. In Chören, Musikkapellen, Volkstanzgruppen und Vereinen wird dieser Gedanke greifbar: Menschen übernehmen Verantwortung, bringen ihre Fähigkeiten ein und erleben, dass sie gebraucht werden.

Volkskultur, so wurde an diesem Abend deutlich, ist deshalb nicht nur Traditionspflege. Sie ist vor allem eine Kultur des Mitmachens.

Tradition und neue Zugänge

Gleichzeitig kann Zukunft nicht allein in der Bewahrung des Bestehenden liegen. Regionalkultur muss offen bleiben für neue Formen und neue Beteiligungsmöglichkeiten. Als Beispiel wurde das offene Singen „Sing mit“ genannt. Ohne Vorkenntnisse und kostenlos können Interessierte daran teilnehmen. Der Zugang ist unkompliziert – und genau darin liegt seine Stärke.

Auch die Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement wurden diskutiert. Vereine brauchen Unterstützung statt zusätzlicher Bürokratie, praxisnahe Weiterbildung und verlässliche Partner. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Vereinen, Gemeinden, Kulturinstitutionen und dem Tourismus könne vieles erleichtern.

Die Digitalisierung hilft bei Organisation und Kommunikation. Die persönliche Begegnung, das gemeinsame Musizieren und der soziale Zusammenhalt lassen sich durch sie aber nicht ersetzen.

Kultur als gesellschaftlicher Anker

Kulturmanager, Schriftsteller und Publizist Fabian Burstein brachte seine Erfahrungen aus dem zeitgenössischen Kulturbetrieb ein. Mag. Julia Wörndl-Brandweiner sprach über die praktischen Herausforderungen der Volks- und Regionalkultur. Den wissenschaftlichen Blick auf Leopold Kohr eröffnete Dr. Ewald Hiebl, Historiker an der Paris Lodron Universität Salzburg und Leiter des Leopold-Kohr-Archivs.

In der Diskussion mit dem Publikum wurde die Regionalkultur als wichtiger gesellschaftlicher Anker beschrieben. Sie verbindet Generationen, schafft Zugehörigkeit und bringt Menschen miteinander ins Gespräch. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen sei es entscheidend, Menschen nicht nur als Zuschauerinnen und Zuschauer zu sehen, sondern sie zum Mitgestalten einzuladen.

Musikalisch begleitet wurde der Abend vom Duo Christalyn, Christa Fuchsberger und Evelyn Brunauer. Zum Abschluss dankten die Veranstalterinnen und Veranstalter Hofrätin Dr. Lucia Luidold und Geschäftsführerin Berta Wagner für ihre langjährige Zusammenarbeit im Haus der Volkskulturen.

Das Akademische Wirtshaus zeigte: Leopold Kohrs Philosophie ist kein fertiges Rezept für die Kulturarbeit. Sie liefert aber eine anregende Haltung – mit Vertrauen in überschaubare Strukturen, Zusammenarbeit und die Menschen vor Ort. Denn lebendige Regionalkultur entsteht dort, wo nicht nur zugeschaut, sondern gemeinsam gestaltet wird.

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