Romy Hausmann: Himmelerdenblau

Romy Hausmann | Foto: Penguinrandomhouse © Astrid Eckert

Romy Hausmann | Foto: Penguin-Randomhouse © Astrid Eckert

Romy Hausmann: Himmelerdenblau

Autorin: Romy Hausmann
Titel: Himmelerdenblau
Genre: Belletristik/ Krimis, Thriller, Spionage
ISBN: 978-3-328-60428-0
Verlag: Penguin Verlag
Erschienen: 27.08.2025

Klappentext:

Seit 2003 ist Julie Novak verschwunden. Ihre Familie ist daran zerbrochen. Nur ihr Vater Theo hört nicht auf, nach ihr zu suchen. Als sich Julies Verschwinden zum zwanzigsten Mal jährt und die Podcasterin Liv den Fall neu aufrollen will, stürzt Theo sich deshalb gemeinsam mit Liv in die Nachforschungen. Er will die Wahrheit herausfinden, bevor seine fortschreitende Demenz alles mit Dunkelheit überzieht. Wer zum Teufel hat ihm seine Tochter genommen? Warum hat Julies Ex-Freund Daniel das Schlafzimmer seiner verstorbenen Mutter so sorgfältig verschlossen? Denn es gibt nichts Grausameres als die Ungewissheit über das Schicksal des Kindes..

Anna Lemberger

Rezension von Anna Lemberger

Theo Novak, pensionierter Arzt an der Charité, leidet an einer Demenzerkrankung. Immer häufiger verirrt sich sein Geist in die Vergangenheit, als seine Tochter Julie und seine Ehefrau Vera noch lebten und er ein respektierter Chefarzt war. In hellen Momenten jedoch vermisst er die geliebten Personen schmerzlich.

Als sich der Jahrestag des Verschwindens seiner damals 16-jährigen Tochter zum zwanzigsten Mal jährt, nutzt er die letzte Chance, um Julie zu finden. Gemeinsam mit der „True-Crime-Podcasterin“ Liv und deren Partner Phil macht er sich auf die Suche nach seiner Julie, von der er überzeugt ist, dass sie noch lebt und sich „nur“ in den Fängen ihres Entführers befindet. Für ihn gibt es ohnehin nur einen Schuldigen…

In den Mittelpunkt des Geschehens stellt die Autorin Romy Hausmann den demenzkranken Vater der verschwundenen Julie. Um den Protagonisten herum reiht Hausmann eine Vielzahl weiterer handelnder Personen, die im Nebel seiner Demenzerkrankung mehr oder weniger verschwimmen. Während in einem Moment Theos umgebende Personen und Situationen von ihm deutlich wahrgenommen und zugeordnet werden können, verliert er sich kurze Zeit später wieder in der Dunkelheit der Vergangenheit. Was bleibt, ist der emotionale Schmerz und die Trauer.

Das Cover des Buches ist nicht nur optisch in dem besonderen Blau sehr ansprechend, sondern es beinhaltet auch einen Bereich, in dem die Familie „in einer tieferen Ebene verschwindet“. Die Einleitung ist rätselhaft und findet ihre Auflösung erst am Ende des Buches. Der Hauptteil ist in seinen verschiedenen Kapiteln personalisiert – dabei lässt die Autorin die genannten Personen aus der Ich-Perspektive erzählen. Besonders ist jedoch, dass Romy Hausmann Personen ins Spiel bringt, die nicht direkt in der Haupthandlung eine Rolle spielen, dafür aber eine verwirrende Spannung erzeugen. Daneben sorgen auch wiederholte Richtungswechsel im Handlungsablauf für absolute Faszination beim Lesen. Gegen Ende wird zunehmend klar(er), dass der Fokus weniger auf blutrünstigen Taten, sondern auf tiefgründigen und feinsinnigen psychologischen Effekten liegt. Einen Teil der Handlung lässt die Autorin am Ende offen, was Leser*innen noch zusätzlich zum Nachdenken einlädt.

Ein grandioser Thriller, der sich mit dem Wechselspiel von Vergessen, Wiedererinnern und Wieder-Vergessen Betroffener der Demenzerkrankung auseinandersetzt. Die Autorin hat sehr gut recherchiert und eine authentische, gelungene Abhandlung einer realen Erkrankung mit einer fiktiven Thrillerhandlung gemischt. Hausmann hat ihre Charaktere sehr gut herausgearbeitet und schafft auch ohne verstörende Gräueltaten einen großartigen Pageturner.

Wer das Buch in die Hand nimmt, sollte Zeit mitbringen, denn dieses absolut empfehlenswerte Werk ist schwer aus der Hand zu legen.


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