Duschlhaus, Kranzlmarkt 3
Bei dem Haus mit der Adresse Kranzlmarkt 3 dürfte es sich um eines der ältesten Bürgerhäuser der Stadt handeln. Es steht an exponierter Stelle, befindet es sich doch direkt an der mittelalterlichen Hauptverkehrsader, in unmittelbarer Nachbarschaft zum alten Rathaus und nächst zur Klampferergasse, wo einst die Brücke über die Salzach führte und wo einst die Schiffe anlegten. Sein heutiges Erscheinungsbild verdankt es den Umbauten durch Stadtbaumeister Franz Wagner im Jahr 1937. Dabei stieß man auf Erstaunliches.

Von Christoph Koca, Kunstspaziergang.com
Bis dahin war die Bauart der Salzburger Bürgerhäuser aus dem Mittelalter noch weitgehend unerforscht, da man kein Gebäude kannte, das mit Sicherheit vor 1500 zu datieren war. Neue Aufschlüsse lieferte erst Franz Wagner, der bei den Umbauarbeiten auf frühgotische Fenster und Rundbögen stieß. Überrascht durch die unvermuteten Funde, lag der Verdacht nahe, einen ehemaligen Sakralbau oder eine Synagoge entdeckt zu haben.

© Skizze Salzburger Volksblatt 20. 11. 1937
Erst die anschließende Untersuchung brachte die Gewissheit, dass es sich um einen frühgotischen Bau aus der Zeit vor 1400 handeln muss. Demnach verfügte das turmartige Haus im Mittelalter über drei Geschoße, und eine mit Zinnen bekrönte Dachzone. Im 16. Jahrhundert wurden die 21 kleinen, gotischen Fenster durch wesentlich größere Fenster ersetzt. Der Einbau der großen Fenster, heute mit sogenannten „Fensterohren“ profiliert, führte zu Rissen im Mauerwerk, weshalb aus statischen Gründen Strebemauern eingezogen werden mussten. Im 18. Jahrhundert setzte die Verstuckung ein und drei weitere Stockwerke wurden angebaut, wobei sich die Geschosshöhe nach oben verkleinerte. Die Ziegelsteine dafür wurden über den Wasserweg u. a. aus Anthering und Bürmoos angeliefert.
Der Kranzlmarkt verdankt seinen Namen den Blumenkränzen, die dort zu erwerben waren. In früheren Tagen war der Ort auch als Eier- oder Vogelmarkt bekannt. Das Bürgerhaus am Kranzlmarkt grenzte unmittelbar an das ehemalige Salzgäßlein an, wo Salzstöcke zum Verkauf angeboten wurden. Die ersten schriftlichen Quellen über das „Haus an dem Turm“ stammen aus dem Jahr 1499. Damals bewohnte es der Ratsherr Sebastian Tunkl.





Im Jänner 1511 hatte er zusammen mit 11 anderen Ratsherren das zweifelhafte Vergnügen, von Erzbischof Leonhard von Keutschach zu einem Abendessen eingeladen zu werden. Das Essen auf der Festung Hohensalzburg entpuppte sich als Finte des Erzbischofs. Auf die Gefangennahme der Ratsherren folgte die unfreiwillige Schlittenfahrt nach Radstadt, die zur Abschreckung der Überrumpelten vom Henker der Stadt begleitet wurde. Erst als die übrige Vertretung der Bürgerschaft auf das ihnen von Friedrich III. verliehene Recht, der freien Ratswahl verzichteten, endete ein paar Wochen später die Gefangenschaft.
Viele Salzburger kennen das Haus noch heute unter der Bezeichnung „Duschlhaus“. Der Name erinnert an den Regenschirmfabrikanten Philip Duschl, der das Gebäude ab 1860 bewohnte. Die freigelegten gotischen Fenster kann man noch heute an der Westseite des Gebäudes entdecken. Am besten geht man dafür in das alte Rathaus, vom dortigen Stiegenhaus kann man die spitzbogigen Maueröffnungen sehr gut erkennen.

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