Sportlicher Fortschritt, verkehrspolitischer Blindflug
Neue Eishalle – alter Verkehrsärger – Salzburg bekommt eine neue Eishalle. Ein Projekt, das sportlich längst überfällig ist – und politisch komplexer, als es auf den ersten Blick scheint.

Von Anita Herrmann
Die alte Trainingshalle im Volksgarten ist in einem Zustand, der kaum noch vertretbar ist:
Risse in der Bodenplatte, tropfendes Dach, freiliegende Leitungen. Alle sind sich einig: Ein Weiterwurschteln wäre teurer, unsicherer – und unverantwortlich. Ein Neubau ist notwendig. Und zwar dringend.
Der Gemeinderat der Stadt Salzburg hat die Weichen gestellt: Rund 30 Millionen Euro sollen investiert werden. Fünf Komma fünf Millionen davon entfallen allein auf die Tiefgarage. Finanziert wird das Projekt zu achtzig Prozent von der Stadt, zu zwanzig Prozent vom Land. Die Eissportvereine müssen nicht mit zahlen. Laut Plan soll die neue Halle bis 2030 fertig sein.
Chance für Sport, Risiko für Verkehr Sportlich ist das ein großer Schritt nach vorne.
Die Halle wird autark funktionieren, mit modernen Kabinen, Infrastruktur, Verleih und Kassen – alles, was ein zeitgemäßer Eissportstandort braucht. Während der Bauzeit bleibt die alte Fläche weiter nutzbar.
Das ist gut geplant.
Doch ein Punkt bleibt ein massives Fragezeichen: die Verkehrspolitik. Die Stadt betont, die Tiefgarage solle den Volksgarten „nahezu autofrei“ machen. Das klingt gut – ist aber nur dann realistisch, wenn der Autoverkehr tatsächlich reduziert wird. Eine Tiefgarage allein schafft das nicht. Im Gegenteil: Sie könnte zusätzlichen Verkehr anziehen, besonders an Eventtagen, wenn die Halle voll ist.
Die ÖVP fordert deshalb ein detailliertes Mobilitätskonzept. Mit klaren Antworten: Wie kommen die Menschen zur Halle? Wie fahren sie wieder weg? Und wie werden die Anrainerinnen und Anrainer im Umfeld entlastet? Eine Verkehrsstudie läuft zwar – aber eine Studie allein löst das Problem nicht.
Tiefgarage: Lösung oder neues Problem?
Die neue Eishalle ist eine große Chance. Sportlich steht Salzburg gut da. Doch ohne eine mutige, klare Verkehrspolitik droht die Stadt, alte Fehler neu zu wiederholen. Die Planer und Planerinnen, aber auch das von der Bürgerliste geführte Verkehrs- und Planungsressort sollten sich dringend Varianten überlegen, wie das Publikum ohne Auto zum Stadion kommen kann und ob die Garage in der vorgelegten Dimension dann überhaupt notwendig ist.
Wer Millionen investiert, muss ebenso in Mobilität investieren wie in Stahl und Beton. Nur dann wird der Neubau ein Gewinn – für den Sport, die Stadt und die Menschen, die hier leben.
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