Schiefe Blicke auf eine schräge Welt

Schiefe Blicke auf eine schräge Welt

In der Galerie Morteveille in der Wolf-Dietrich-Straße ist derzeit Reinhold Brandstätters Ausstellung „Perspektiven“ zu sehen. Der Titel passt: Bei Brandstätter ist selten etwas ganz gerade, eindeutig oder endgültig. Seine Bilder schauen genauer hin – und manchmal auch ein wenig schief.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Zwischen Skizzenbuch, Satire und gesellschaftlicher Miniatur entwickelt der Künstler eine unverwechselbare Bildsprache. Flüchtige Linien treffen auf erstaunliche Genauigkeit. Was wie eine schnelle Skizze wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als präzise Beobachtung.

Brandstätter nimmt Konsum, digitale Scharlatanerie und den ganz normalen Wahnsinn des modernen Lebens ins Visier. Businessfiguren und digitale Weltuntergangsszenarien erscheinen dabei ebenso wie schräge Alltagssituationen. Was zunächst verspielt und skurril wirkt, ist oft ein genauer Blick auf unsere Gesellschaft.

Humor ist dabei ein wichtiges Werkzeug. Er macht die Bilder zugänglich, nimmt ihnen aber keineswegs ihre Schärfe. Wer lacht, merkt oft erst danach, dass ihm gerade ein Spiegel vorgehalten wurde. Auch Landschaften und Stadtansichten sind bei Brandstätter nicht bloß schöne Ansichten. Sie werden fokussiert, leicht irritiert und zu persönlichen Stimmungsbildern.

So verbindet „Perspektiven“ Comic-Ästhetik, politische Zeichnung und zeitgenössische Malerei. Eine Ausstellung zum Schmunzeln, Nachdenken und genauen Hinschauen.

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