Schmucke Militärexpertisen und Einfaches

Bundesheer

Foto: Karl Traintinger

Wenn ich Militärs mit einer Expertise zur Landesverteidigung beauftrage, ist es wenig überraschend, dass diese eine Erhöhung der Militärausgaben und eine Verlängerung des Militärdienstes verlangen. Ebenso wenig überrascht es, dass sie – erzürnt über das Zaudern – die unverzügliche Befolgung dieser Vorschläge einmahnen, als hätten sie -wie Gott dem Moses- die zehn Gebote dem Volk verkündet. Und das u.a. zur besten Sendezeit in Gardeuniform.

Von Peter Reutterer
Autor, Musiker und Kulturvermittler
Henndorf, Flachgau, Salzburg

Oder hätte sich jemand erwartet, dass Militärs die Erhöhung der Militärbudgets um über hundert Millionen kritisieren. Vielleicht sogar fordern, man solle diesen erheblichen Betrag besser in Soziales, Bildung oder Kultur investieren.

Schon gar nicht hat jemand erwartet, Militärs würden darauf hinweisen, im Rahmen der militärischen Ausbildung würden junge Menschen das Töten erlernen. Ein durchaus als bedenklich eingestufter Umstand, zumindest in den vergangen Jahrzehnten, als gewaltlose Friedensbemühungen noch Mode waren.

In weiteren hochkarätigen Expertisen wird das Bedienen von Drohnen gehypt. Und das augenscheinlich hochakademisch. Man kann die Steuerung auch KI-Agenten überlassen, erfährt man, was eines hochqualifizierten Trainings bedarf. Die hocheffizienten Akteure spüren feindliche Soldaten selbständig auf und zerfetzen sie mittels der Drohnen. Aber solche unbemäntelten Klarstellungen gelten inzwischen als übertrieben ethisch. In jedem Fall unzeitgemäß und weltfremd.

Widerspricht jemand den medial allerorts präsenten Militärexpertisen, knattert das Argument der geänderten geopolitischen Situation gegen die angeblich naiven Friedensapostel los. Eine einfache Wahrheit wird vertuscht: Dass nämlich Aufrüstung keinen Frieden bringt, ihn nie gebracht hat. Und wohl auch, dass keineswegs geopolitische Lagen, sondern Regierende – auch in Europa – für die Hunderttausend an Toten verantwortlich sind.

Wollen wir von der Ukraine lernen, in einem jahrelangen Krieg Hunderttausende gesunder und hoffnungsfroher Menschen auf dem Schlachtfeld zu opfern? Wollen wir wirklich in dieser Weise kriegstüchtig sein? Eine sehr einfache Frage. So einfach wie die Wahrheit von der Unmenschlichkeit kriegerischer Kampfhandlungen.

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