Fly me to the moon oder 2 Engel für Harry
Die in Belfast lebende Schauspielerin und Dramatikerin Sarah Marie Jones bietet in ihrer tiefschwarzen Komödie zwei Heldinnen des Alltags eine unerwartete Chance. Judith Brandstätter und Gaby Schall versprühen Frauenpower und laufen dabei zu Höchstform auf. Ein trotz des ernsten Hintergrundes erfrischend heiterer Theaterabend, von Torsten Hermentin tempo- und geräuschreich in Szene gesetzt. Viel Applaus bei der Premiere am 11. März 2026.

Seit über zwei Jahren betreuen Francis und Loretta den greisen Harry. Beide brauchen das Geld dringend, doch leider reicht es meist vorne und hinten nicht. Lorettas Mann ist arbeitslos und sie weiß nicht, wie sie das Geld für einen Europa-Park-Ausflug ihres Sohnes aufbringen soll. Auch aus der Reise zum Polterabend ihrer Freundin in Barcelona wird wohl nichts.
Loretta hat ein schlechtes Gewissen und will uns die ganze Wahrheit erzählen. Der Tag fängt denkbar schlecht an, denn sie muss ihrem Sohn das Turnsackerl in die Schule nachbringen und verspätet sich. So ist Francis alleine mit Harry, als dieser auf die Toilette muss. Das ist für eine Person äußerst anstrengend, deshalb jammert sie über Rückenschmerzen, als Loretta endlich auftaucht. Die beiden haben sich viel zu erzählen und so merken sie gar nicht, dass Harry schon viel zu lange auf der Toilette sitzt.
Als dieser sich nicht mehr meldet, ahnen sie Schreckliches. „Mir ist noch nie einer gestorben!“, jammert Francis. Da noch niemand weiß, dass Harry tot ist, beginnt die schlaue Francis zu überlegen: Es ist Montag, der 1. des Monats, und da gibt es Rente. Mit den Worten „Harry hätte es so gewollt!“ überzeugt sie Loretta und schickt sie zum Bankomaten, um dort 120 Pfund abzuholen. Eigentlich ist das ja nur eine kleine Schummelei, die niemandem schadet. Als sie aber in der Zeitung lesen, dass Harry bei einer Pferdewette eine größere Summe gewonnen hat, ist die Versuchung groß. Vielleicht wird es ja doch noch was mit dem Junggesellinnenabschied in Barcelona.

Judith Brandstätter und Gaby Schall sind ein perfekt eingespieltes Duo. Judith versprüht als Francis überbordenden Optimismus. Sie sieht alles positiv und berichtet voller Stolz über den kriminellen Geschäftssinn ihres Sohnes. Er dürfte das Temperament und den Humor seiner Mutter geerbt haben, denn sein Telefonstreich ist grandios. Kurz glauben die beiden Damen wirklich, die Polizei sei ihnen auf die Schliche gekommen. Gaby Schall drückt als Loretta schnell das schlechte Gewissen, doch die Überzeugungskraft ihrer Freundin ist enorm.
Die zwei Pflegerinnen erweisen sich als absolute Sympathieträger, denen man das Geld von ganzem Herzen gönnt. Nur gut, dass sie sich mit einer „zündenden“ Idee vor etwaigen Konsequenzen retten können. Regisseur Torsten Hermentin peppt das karge, von den Pflegerinnen aus Kartons selbst gebastelte Bühnenbild mit Geräuschen auf. So lassen sich imaginäre Fenster öffnen, um der neugierigen Nachbarin zuzuwinken. Gratulation dem Salzburger Tournee Theater für diese absolut gelungene, sehr unterhaltsame Produktion!
„Fly me to the moon oder 2 Engel für Harry“ – Ein schwarzhumoriges Theaterstück von Sarah Marie Jones. Regie: Torsten Hermentin. Mit Judith Brandstätter & Gaby Schall. Produktion: Salzburger Tournee Theater. Litag Theaterverlag. Spieldauer ca. 80 min. Fotos: Kleines Theater © Christian Treweller

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