Die Schwedischen Gardinen werden knapp

Gefängnis

Altes Bezirksgefängnis - heute Schiele Museum, Tulln | Foto: Karl Traintinger, Dorfbild.at

Es wird schon länger gemunkelt, heute pfeifen es bereits die Spatzen von den Dächern: Die österreichischen Gefängnisse platzen aus allen Nähten. Offenbar ist die Dichte an Ganoven in der Alpenrepublik höher, als es jede noch so optimistische Erweiterungsplanung der Behörden vorhersehen konnte.

Aus gut informierten Justizkreisen dringt nun der Ruf nach neuen Unterbringungsstätten. Oder sollte man ehrlicherweise gleich von „Spezialhotels mit Schwedischen Gardinen“ für diese doch recht besondere Klientel sprechen? Die Fußfessel ist ja schon längst als der kleine, unauffällige Bruder des staatlichen Aufenthalts mit Vollpension etabliert.

Für alle anderen aber braucht es Neubauten und da stellt sich unweigerlich die große Ausstattungsfrage, mit der die Politik derzeit ringt: Tut es die einfache Zelle oder braucht es zeitgemäß die Wellnesszone? Reicht die kalte Dusche oder fördert der Whirlpool die Resozialisierung besser?

Man hört, bei besonders pfiffiger und großzügiger Planung könnten sich sogar ein paar Airbnb-Zimmer im Trakt ausgehen. Flexible Nutzung ist schließlich das Gebot der Stunde. Denn Strafe soll zwar abschrecken, aber doch bitte nicht auf Kosten des Komforts, meint zumindest Ihr nachdenklicher, zumeist gesetzestreuer Spaziergänger.

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1 Kommentar zu "Die Schwedischen Gardinen werden knapp"

  1. Heinrich Frei Heinrich Frei | 3. Januar 2026 um 22:59 |

    Die österreichischen Gefängnisse platzen aus allen Nähten, schreibt der Spaziergänger in der Dorfzeitung. Offensichtlich sperrt man in Österreich immer noch viele Leute ein, im Lande der Psychologen, Sigmund Freud, Alfred Adler, August Aichhorn usw.

    Sind Gefängnisse in Österreich so sinnvolle Einrichtungen wie Spitäler? Gefängnisse als Institutionen, die eben zur österreichischen Zivilisation gehören? Wie es heißt, verfolgt das Einsperren zwei Ziele: Auf der einen Seite soll die Gesellschaft vor Wiederholungstätern geschützt werden und auf der anderen Seite sollen Häftlinge zu Menschen erzogen werden, welche die Rechtsnormen achten und nach Verbüßung ihrer Strafe wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden. Kinder sperrt man zwar nicht mehr in den Wandschrank oder in den Keller, wenn sie die Suppe nicht essen wollen. Delinquenten hingegen schließt man immer noch ein, um sie auf den rechten Weg zu bringen.

    Zu der Situation in den Gefängnissen in Deutschland verfasste der Jurist Thomas Galli das Buch «Weggesperrt, warum Gefängnisse niemandem nützen». Er stellte in seinem Buch die heute allgemein üblichen Gefängnisstrafen in Frage.

    Er schildert in diesem Buch wie er im Studium die mathematischen Regeln des Strafrechts lernte: «Wenn A so handelt, ergibt dies den entsprechenden Strafbestand B und dann die Rechtsfolge C von x Monaten oder Jahren Haft.»

    Seine erste Stelle hatte Galli als Abteilungsleiter in der bayerischen Justizvollzugsanstalt Amberg. Dort war er zuständig für 200 Inhaftierte. Bei Verstössen gab es dort Arrest. Wenn ein Häftling mit Heroin erwischt wurde, gab es bis zu vier Wochen Isolationshaft, mit Bett und Bibel.

    Im Nachhinein wurde Galli bewusst, welche durch nichts zu rechtfertigende Behandlung einem Menschen durch einen solchen Arrest angetan wird, insbesondere einem Suchtkranken. Dass der Mensch so nicht zu bessern ist, spürte er schon früher.

    Galli zeigte in seinem Buch, dass es zu dem System Gefängnis Alternativen gibt. Durch Alternativen zu Gefängnissen könnten wir alle sicherer leben und müssten weniger Angst vor Kriminalität haben, schreibt Galli.

    Zu diesem Thema habe ich auch zwei Texte geschrieben, die im Netz abrufbar sind.
    Strafrecht: Es wird mit verschiedenen Ellen gemessen – IFOR Schweiz – MIR Suisse
    Mittelalterliche „Therapien“ um Menschen auf den rechten Weg zu bringen, Gefängnisstrafen mit Fragezeichen – IFOR Schweiz – MIR Suisse

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