Social Media ist Dreck

Sujet Social Media

Sujet Ki generiert

Alois Schöninger

Von Alois Schöninger
Hallein, Salzburg

Ich habe Fragen gestellt auf pauschale, beleidigende Aussagen. Über Menschen. Über Situationen. Es kam nichts zurück, was man Antwort nennen könnte. Begriffe werden missbraucht. Verdreht. Als Waffen eingesetzt.

Marcus Wadsak hat diese Medien einmal soziale Hilfswerke genannt. Vielleicht war das einmal richtig. Heute hilft dort niemand mehr. Die Zeiten sind vorbei.

Es bleibt ein Eindruck: Es gibt nur noch zwei Seiten. Links und rechts. Oben und unten. Vorne und hinten. Freund und Feind. Dazwischen ist nichts mehr.

Menschen sprechen von Hausverstand. Sie sehen darin einfache Wahrheiten. Zwei Geschlechter. Reine Österreicher. Reine Deutsche. Den Schilling zurück. Den starken Mann ganz vorne. Die Frau am Herd.

Argumente zählen nicht. Der Sprit muss aus Russland kommen. Windräder werden lächerlich gemacht. Stromerzeugung im eigenen Land ebenso. E-Autos sowieso. Ein echter Mann muss verbrennen.

Ich tue das auch. Ich fahre Motorrad. Es macht mir Spaß. Es zwingt mich zur Konzentration. Zum Fokus. Und meistens fahre ich mit dem Zug. Aus Bequemlichkeit. Weil es billiger ist. Und weil ich die Umwelt schonen möchte.

Beides ist wahr. Aber es hat keinen Platz.

Dann ist da Benjamin Karl. Ein Mensch. Reduziert auf ein paar Sätze. Generalverurteilt von Zehntausenden. Niemand kennt ihn. Nicht sein Umfeld. Nicht sein Leben. Nicht seine Ehe. Nicht seine Familie. Nicht seine Kämpfe. Seine Sorgen. Seine Katastrophen. Seine Siege.

Ein paar Sätze reichen. Und sie urteilen.

Ich hasse das. Diese Verurteilungen. Dieses öffentliche Hinrichten. Ich verabscheue es.

Ich bezeichne mich als Feminist. Ich lebe danach. In diesen Diskussionen bin ich etwas anderes. Immer etwas anderes. Je nach Thema. Je nach Blickwinkel.

Was bin ich also?

Ein rechter, alter, weißer Mann, der unnötig Sprit verbrennt? Oder ein links-grünversiffter?

Es ist das Dilemma.

Öffentliche Meinung kann verletzen. Tief. Und gleichzeitig hat sie keinen Wert. Keinen Bestand.

So wie ich zur Zielscheibe werde, kann es jeder werden. Und je öffentlicher du bist, je bekannter du bist, desto sicherer passiert es. Es gibt kein Erbarmen. Keine Gnade. Nur Einschlagen. Verurteilen. Denunzieren.

Die Wirklichkeit ist anders.

Ich habe oft meine Meinung geändert. Über Menschen. Nachdem ich sie getroffen habe. Nachdem ich mit ihnen gesprochen habe. Länger. Mehr als einmal. Ich habe verstanden, warum sie handeln, wie sie handeln. Warum sie geworden sind, wie sie sind.

Man muss sie deshalb nicht mögen. Man muss ihre Handlungen nicht gutheißen. Aber man kann verstehen.

Und man urteilt anders. Leiser.

Öffentliche Debatte ist wichtig. Aber das hier ist keine Debatte. Öffentliche Meinung auf diesen Plattformen ist nichts.

Und trotzdem nutze ich sie. Für meine Existenz. Für mein Geschäft. Facebook. Instagram. YouTube.

Ich stehe im Zwiespalt. Ich überlege, wie ich ohne sie auskommen kann.

Ich kann es nicht.

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Von Georg Zenz

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