„Songs für Nobodies“ – Die Stimme hinter der Stimme

„Songs für Nobodies“ – Die Stimme hinter der Stimme

Die australische Schriftstellerin Joanna Murray-Smith hat fünf Monologe verfasst, in denen berühmte Sängerinnen auf ganz gewöhnliche Frauen treffen. Die Begegnungen mit diesen Celebrities werden in fiktiven Geschichten erzählt, die durch Menschlichkeit, Empathie und Lebensfreude berühren.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Ein hinreißender, musikalischer Theaterabend, in dem Magdalena Köchl in die Rolle der Sängerinnen und ihrer Fans schlüpft. Standing Ovations im Kleinen Theater bei der Premiere am 18. Juni 2026.

In der ersten Szene trifft eine Platzanweiserin im Madison Square Garden in New York zufällig in der Künstlergarderobe auf ihre Lieblingssängerin Nina Simone. Die Chemie zwischen den beiden stimmt und so wird sie beim Konzert von der Künstlerin sogar auf die Bühne geholt. „Das war unglaublich!“

Dann erzählt uns eine Bibliothekarin eine berührende Geschichte über Edith Piaf, die im besetzten Frankreich oft für Gefangene gesungen hat. Dabei gelang es ihr immer wieder, Gefangene zu befreien. Zu diesen Glücklichen zählte auch der Vater der Bibliothekarin, der wegen Teilnahme am französischen Widerstand inhaftiert war. Da darf natürlich Piafs Klassiker „Non, je ne regrette rien“, ein Garant für Gänsehaut, nicht fehlen.

Judy Garland trifft auf einer Toilette auf eine heulende Klofrau, die gerade von ihrem Mann verlassen wurde. Ein durchhängender Rocksaum bringt die beiden einander näher und lässt sie über Glück philosophieren. Existiert Glück wirklich nur in der Erinnerung? Dazu passt hervorragend Judy Garlands Ballade „Somewhere Over the Rainbow“ aus dem Film „Der Zauberer von Oz“.

Eine junge Journalistin hat genug von banalen, trivialen Artikeln. Sie möchte eine ernstzunehmende Schriftstellerin werden. Ein Interview mit Billie Holiday sollte ihr Sprungbrett sein. Doch leider läuft da nichts nach Plan. Die große Jazzsängerin ist nicht sehr gesprächig, es herrscht unangenehme Stille. Ob sie wohl die geforderten 800 Wörter für den Artikel schaffen wird?

Zum Finale trifft ein Kindermädchen auf der luxuriösen Yacht des Reeders Onassis auf die legendäre Maria Callas. Hier merkt sie rasch, dass Reichtum allein nicht glücklich macht. Magdalena Köchl verwöhnt uns dafür mit einer Arie der Tosca aus der gleichnamigen Oper von Puccini.

Im Gegensatz zu anderen Stücken stehen diesmal nicht die Stars, sondern Nobodies im Mittelpunkt. Magdalena Köchl meistert beide Rollen hervorragend. In einem eleganten, schwarzen Paillettenkleid schlüpft sie in die Rolle der Sängerinnen, meistert aber auch den Wechsel zur Klofrau, Bibliothekarin usw. ohne Probleme. Roli Wesp sorgt am Klavier für die stimmige Begleitung.

Das Theater-Musical wurde von Annalena Köhne in Szene gesetzt und eignet sich hervorragend als Tournee-Theater. Ein zauberhafter, sehr intimer Theaterabend, mit einer stimmlich und schauspielerisch überzeugenden Magdalena Köchl, der man die Freude an ihrem Beruf ansieht.

Dorfgockel

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