Spritpreise? Wie unerquicklich klein dieses Wort plötzlich klingt.
Während wir hier rechnen, vergleichen, uns empören über ein paar Cent mehr oder weniger, erzählt man sich anderswo eine ganz andere Geschichte. Seit Wochen, führen die Vereinigten Staaten und Israel Krieg gegen den Iran. Eine Begründung wird geliefert, dann eine andere, dann wieder eine neue – als wäre Wahrheit etwas, das man nach Bedarf wechselt wie ein Hemd. Und je länger man zuhört, desto leiser wird die Frage: Gibt es überhaupt einen Grund, der das rechtfertigt?

Von Alois Schöninger
Hallein, Salzburg
Vielleicht, flüstern manche, sei alles nur ein Ablenkungsmanöver. Ein großes, lärmendes, blutiges Manöver, um von Dingen abzulenken, die im Verborgenen liegen. Von Geschichten, die nicht erzählt werden sollen. Von Schatten, die nicht ins Licht dürfen.
Und während darüber spekuliert wird, geschieht etwas, das sich jeder Spekulation entzieht: Menschen sterben.
Nicht Zahlen. Nicht „Verluste“. Menschen.
Fünftausend, sagt man. Vielleicht mehr. Vielleicht weniger. Aber jede einzelne Zahl ist ein Name, den jemand gerufen hat. Ist eine Stimme, die jemand vermisst. Ist ein Leben, das begonnen hat – ohne gefragt zu werden – und nun beendet wurde, ebenfalls ohne gefragt zu werden.
Ein Vater. Eine Mutter. Ein Sohn. Eine Tochter.
Ein Bruder. Eine Schwester.
Ein Mensch, der gelacht hat. Der gehofft hat. Der geliebt hat.
Man stellt sich das Leben gerne wie eine offene Tür vor. Alles sei möglich, sagen sie. Du musst es nur wollen. Ein Satz, der so lange trägt, bis er aufhört zu stimmen. Bis irgendwo jemand entscheidet, dass dein Möglichsein endet.
Ein Moment. Ein Geräusch. Und alles, was war, ist gewesen.
Für immer.
Das ist das eigentlich Verstörende. Nicht nur der Tod. Sondern die Gleichgültigkeit, mit der er in Zahlen verwandelt wird. In Statistiken, die man überfliegt wie Börsenkurse.
Und wir?
Wir stehen an der Zapfsäule und ärgern uns. Über Preise, die steigen. Über Rechnungen, die drücken. Über ein Leben, das uns manchmal ungerecht erscheint.
Während anderswo das Leben selbst verschwindet.
Vielleicht ist es das, was bleibt von all diesen Geschichten: der leise, unangenehme Gedanke, dass unsere Empörung oft dort am lautesten ist, wo sie am wenigsten kostet.

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