Stein, Farbe und innere Notwendigkeit

Stein, Farbe und innere Notwendigkeit

Stein gegen Beliebigkeit, Farbe gegen das Vergessen

Die Sommerausstellung der Galerie Gerlich gewinnt ihre Wirkung aus Konzentration und kluger Gegenüberstellung.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Mit Hans-Peter Profunser und Rudolf Kortokraks begegnen einander zwei Künstler, die nie dem raschen Beifall nachgelaufen sind. Der eine arbeitet mit Stein und Metall, der andere mit Farbe und Linie. Beide verbindet ein Ernst, der heute selten geworden ist.

Hans-Peter Profunser

Hans-Peter Profunser, 1956 in Lienz geboren und in Berg im Drautal verwurzelt, ist ein Bildhauer, dessen Werk aus körperlicher Erfahrung kommt. Seit den späten 1980er Jahren widmet er sich mit großer Konsequenz der Skulptur. Wichtige Impulse kamen von Prof. Zenzmaier sowie aus der Auseinandersetzung mit Giacometti, Manzù und Hrdlicka.

Im Zentrum seines Schaffens steht die menschliche Figur: Torsi, gebundene Körper, aufgerichtete und gefährdete Gestalten. Auch Ikarus oder Prometheus erscheinen bei ihm nicht als Bildungsgut, sondern als Chiffren des ringenden Menschen. Seine Skulpturen leben von der Spannung zwischen geglätteter Form und rauer Materie. Der Ausdruck liegt in Haltung, Last und innerer Spannung. Man hat den Eindruck, diese Körper müssten sich erst aus dem Stein in die Gegenwart hinein behaupten.

Rudolf Kortokraks

Rudolf Kortokraks, 1928 geboren und 2014 verstorben, war eine markante, oft unbequeme Figur der Salzburger Kunstszene. Im Umfeld von Oskar Kokoschkas Schule des Sehens wurde er früh prägend, blieb aber stets eigenständig.

Er hielt an der sichtbaren Welt fest, als dies andernorts längst als überholt galt. Landschaften, Blumen, Städte und vor allem Menschenbilder wurden bei ihm nicht zum dekorativen Motiv, sondern zur malerischen Behauptung von Wirklichkeit. Besonders die Ölpastelle zeigen diese Haltung: leuchtend, nervös, widerständig. Farbe ist bei Kortokraks nie Schmuck, sondern Ausdruck.

Eine Ausstellung von seltener Stimmigkeit

Die Stärke dieser Ausstellung liegt in ihrer stillen Entschiedenheit. Hier begegnen sich zwei Haltungen, nicht zwei modische Positionen. Profunser formt den Menschen aus Stein und Metall, Kortokraks aus Farbe und Blick. Beide verweigern sich der Beliebigkeit und vertrauen auf Form, Erfahrung und innere Notwendigkeit. Gerade das macht diese Ausstellung so sehenswert.

HANS-PETER PROFUNSER
Marmorskulpturen und Metallplastiken
zum 70. Geburtstag des Künstlers
zusammen mit
RUDOLF KORTOKRAKS (1928 bis 2014)
Ölpastellen und Ölbildern von

Ausstellungsende: 29. August 2026

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