„Studio 54“ – Ballett trifft auf Popkultur

© SLT / Tobias Witzgall

Das auf dem Höhepunkt der Disco-Ära 1977 eröffnete Studio 54 in New York war einer der bekanntesten Nachtclubs der Welt. Im Probenzentrum des Salzburger Landestheaters in Aigen feierte am 30. April 2026 ein zweiteiliger Ballettabend umjubelte Uraufführung.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Der in Neapel geborene Tänzer und Choreograf Vincenzo Veneruso erzählt in „The Rise“ Anekdoten und Geschichten des legendären Clubs. Ballettdirektor Reginaldo Oliveira erkundet im zweiten Teil mit „Last Dance?“ die Wirkung von pulsierender Disco-Musik auf den Körper.

Hilfreiche Hintergrundinformationen über Aufstieg und Niedergang des Studios 54 gibt es im Programmheft. Auch die Einführung, stets 30 Minuten vor Beginn der Vorstellung, erleichtert das Verständnis des zweiteiligen Ballettabends.

Vincenzo Venerusos „The Rise“ beginnt am Eingang zum Club, denn dieser war berüchtigt für seine restriktive Einlasspolitik. Prominente durften in der Regel sofort eintreten, ebenso wurden „sehr schöne“ Personen fast immer eingelassen. Personen mit fehlender Attraktivität wurden jedoch rigoros abgewiesen. An diesem Abend werden natürlich alle eingelassen und dann wird ordentlich gefeiert, getanzt und geflirtet. Da der junge Choreograf vom klassischen Ballett kommt, darf Spitzentanz nicht fehlen. Die schrille Mode der 70er-Jahre sowie das glitzernde Bühnenbild mit riesigem Kussmund (Bühne: Matthias Kronfuss) sorgen für das passende Ambiente. Natürlich darf auch die beliebte Disco Sally nicht fehlen, die mit über 70 Jahren fast täglich bis in die frühen Morgenstunden mittanzte. Auch ein Blick in die verrufenen Hinterzimmer wird uns gewährt, denn Sex und Drugs gehören zu Rock ’n’ Roll einfach dazu. Kein Wunder, dass schließlich die Polizei auftaucht, die Besitzer verhaftet und das Studio schließt.

Etwas anders geht es Reginaldo Oliveira in „Last Dance?“ an:

„Mein Stück ist keine konkrete Nacherzählung dieser Zeit. Mich interessiert eine abstraktere Annäherung: die Emotion, die durch Musik entsteht, und die Frage, wie der Körper darauf reagiert. Ich arbeite mit Bewegungen, die sich der Kontrolle entziehen – Körper, die zittern, sich fallen lassen, sich impulsiv verändern.“

Eine Discokugel versetzt das einheitlich in Gold und Plüsch gekleidete Ballettensemble in Ekstase. Zur Musik von Donna Summer („I Feel Love“), Diana Ross („Upside Down“), den Bee Gees („Stayin’Alive“) und vielen anderen bekannten Songs der Disco-Ära ist heiße Party angesagt. Oliveira blickt aber auch hinter die Kulissen. Auf den Toiletten ist Schluss mit Glamour, hier findet das pralle Leben statt und Anna Yanchuk, die 2024 ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum feierte, begeistert mit einem hinreißenden Solo. Zum Finale wird das Publikum auf die Bühne gebeten, um mit dem Ballettensemble mitzutanzen. Dass der Club eigentlich schon geschlossen ist, spielt da keine Rolle.

Die Frühlingsproduktionen im Probenzentrum Aigen haben bereits Tradition und sind für Ballettfreunde ein absolutes Highlight. Bei der Premiere am 30. April 2026 wurden das Ballettensemble und die beiden Choreografen stürmisch gefeiert.

Dorfgockel

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