Suor Angelica & Gianni Schicchi

Suor Angelica & Gianni Schicchi

Zwei Einakter, einmal tragisch, einmal heiter

Die Opernklasse von Florentine Klepper und Kai Röhrig präsentiert zwei 1918 in New York uraufgeführte Einakter von Giacomo Puccini.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

In „Suor Angelica“ wird eine florentinische Adelige, die ein uneheliches Kind zur Welt brachte, zur Buße in ein Kloster geschickt. „Gianni Schicchi“ hingegen ist eine Komödie, in der sich eine gierige Verwandtschaft um das Erbe streitet. Die von Florentine Klepper („Suor Angelica“) und Volker Wahl („Gianni Schicchi“) eindrucksvoll in Szene gesetzten Einakter garantieren einen großen Opernabend. Die umjubelte Premiere fand am 15. Mai 2026 im Max Schlereth Saal der Universität Mozarteum statt.

Nach der Geburt eines unehelichen Kindes wird Angelica (Anna-Maria Husca) zur Buße in ein Kloster geschickt. Da ihre Eltern früh verstorben sind, herrscht nun ihre hartherzige Tante (Julia Maria Eckes) über die Familie. Schon seit sieben Jahren wartet Angelica sehnsüchtig auf Nachricht von zu Hause. Ihr einziger Trost ist ein kleiner Kräutergarten, den sie liebevoll pflegt. Als die Tante endlich zu Besuch kommt, verlangt sie von ihr den Verzicht auf ihren Erbteil, um so ihrer jüngeren Schwester die Hochzeit zu ermöglichen. Auf die Frage nach ihrem Sohn erfährt sie, dass dieser schon vor einigen Jahren an einer schweren Krankheit verstorben ist. Diese Nachricht führt zu Angelicas Zusammenbruch.

Nach der Pause stürmt bei „Gianni Schicchi“ eine schräge Gesellschaft auf die Bühne. Es ist die Verwandtschaft des gerade verstorbenen, reichen Buoso Donati. Sie alle sind gekommen, um seinen Tod scheinheilig zu betrauen und sich nach dem Erbe umzusehen. Bald jedoch kommt das Gerücht auf, dass Buoso sein gesamtes Vermögen einem Kloster vermacht hat. Da kann wohl nur der schlaue, listige Gianni Schicchi (Sergej Korotenko) weiterhelfen. Dieser legt sich ins Bett des Verstorbenen und diktiert dem Notar ein neues Testament. Dieses fällt nicht ganz nach Wunsch der Trauergemeinschaft aus und so werden sie schließlich alle aus dem Haus vertrieben, das nun Gianni Schicchi gehört. Glücklich ist nur dessen Tochter Lauretta (Zahra Sebnat), die nun endlich ihren Rinuccio (Yonah Raupers) heiraten darf.

Für die beiden so unterschiedlichen Einakter hat Valentina Vorwahlner ein äußerst praktikables Bühnenbild geschaffen. Aus den kalten, weißen Klostermauern wird in „Gianni Schicchi“ das Haus der Begierde des reichen Buoso Donati. Musikalisch wird aus der sakralen Schlichtheit in „Suor Angelica“ eine rasanten Farce mit komödiantischen, modern geschärften Klangfarben. Dieser schnelle Wechsel hat auch Auswirkungen auf die Dynamik innerhalb des Ensembles. Dazu Kai Röhrig, der die musikalische Leitung innehat und an diesem Abend am Pult des Sinfonieorchesters Universität Mozarteum steht:

„Die beiden Einakter bilden den Abschluss einer Trilogie großer italienischer Ensemblestücke, die wir 2022 mit Il Campiello von Ermanno Wolf-Ferrari begannen und 2024 mit Giuseppe Verdis Falstaff fortführten. Damit unterstreichen wir konsequent unser Anliegen, Werke zu erarbeiten, in denen das Miteinander auf der Bühne im Mittelpunkt steht. Genau das ist die Aufforderung an unsere Studierenden: Lasst euch aufeinander ein und seid gemeinsam stark. Dass die Studierenden auch diesmal von der ersten Probe bis zur letzten Vorstellung als eingeschworene Truppe durch diesen Prozess gehen, ist die schönste Botschaft, die eine Opernklasse senden kann.“

Zwei absolut gelungene, moderne Inszenierungen, junge, talentierte Sängerinnen und Sänger, ein großartiges Bühnenbild sowie phantasievolle Kostüme bescherten dem Publikum bei der Premiere im ausverkauften Max Schlereth Saal einen großartigen Opernabend.

Dorfgockel

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