
Autorin: Susanne Schröter
Titel: Der neue Kulturkamp: Wie eine WOKE LINKE Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft bedroht
Genre: Sachbuch
ISBN-13: 978-3451397103
Verlag: Herder Verlag
Erschienen: 12.02.2024
Klappentext:
Identitätspolitik, Cancel Culture und Wokeness – was an den Universitäten begann, beeinflusst mittlerweile breite Teile der Gesellschaft. Angetreten, um gegen Rassismus und Diskriminierung zu kämpfen und sich für Demokratie und Zusammenhalt einzusetzen, bewirkt eine woke Linke das genaue Gegenteil. Mit Sprachregelungen oder der Tabuisierung gesellschaftlicher Missstände verhindert sie eine offene demokratische Auseinandersetzung.
Susanne Schröter, oft genug selbst Ziel woker Angriffe, analysiert die Ideologie der woken Linken und beschreibt, wie diese versucht, in zentralen Bereichen der Gesellschaft die Deutungshoheit zu erobern. Ein unverzichtbares Buch für jeden, der sich für die aktuellen gesellschaftlichen Debatten und Entwicklungen interessiert. Und eine kritische Analyse, die zur Reflexion über die Zukunft unserer Gesellschaft anregt.

Rezension von Anna Lemberger
Die Ethnologin und Autorin, die einen Lehrstuhl für Südostasienkunde innehatte, forschte bereits in den 1980er-Jahren zum Phänomen der zunehmenden islamischen Radikalisierung in Asien. In zahlreichen südostasiatischen Staaten, die zuvor einen moderaten Islam praktizierten, setzte ein Wandel hin zum Fundamentalismus ein – mit dem Ziel, die Scharia zum staatlichen Gesetz zu machen. Toleranz und religiöse Vielfalt wurden zurückgedrängt, Kirchen angezündet, Frauen wieder zur Verschleierung gedrängt, homosexuelle Menschen zunehmend diskriminiert.
Als ausgewiesene Expertin untersuchte sie auch die Auswirkungen auf das westlich-aufgeklärte Deutschland durch die Zuwanderung aus radikal-fundamentalistischen islamischen Ländern. Dafür geriet sie ins Visier linker, „woker“ Studentenbewegungen. Trotz ihrer fundierten Kritik an mangelnder Integrationsbereitschaft wurde ihr der Stempel „islamophob“ aufgedrückt. Wiederholt forderten studentische Gruppen schriftlich ihre Absetzung als Professorin und den Entzug ihrer Lehrbefugnis. Nur ihre langjährige Karriere sowie ihre Reputation als renommierte Wissenschaftlerin schützten sie letztlich vor diesen Maßnahmen. Dennoch beugten sich sowohl Vorgesetzte als auch Kolleg:innen zunehmend dem Druck einer ideologisch motivierten Minderheit.
In ihrem Buch beschreibt Schröter, wie eine kleine, lautstarke Gruppe den Diskurs in Deutschland zunehmend dominiert. Selbst prominente Feministinnen wie Alice Schwarzer gerieten in deren Fokus und wurden „islamophob“ genannt – allein deshalb, weil sie die systematische Unterdrückung von Frauen im Islam kritisierten.
Die Autorin sieht im Wokismus eine gefährliche Ideologie, die die Welt in weiße, westliche Täter und dunkelhäutige Opfer einteilt – stets im Kontext postkolonialer Schuld. Mit dieser Denkweise hätten laut Schröter auch die „Pro-Palästina-Demonstrationen“ neue Formen des Antisemitismus nach Deutschland gebracht. In der Logik woker Bewegungen würden Jüdinnen und Juden in Israel als Kolonialherren gelten, Palästinenser als unterdrückte Opfer. Kritik an bestimmten muslimischen Gruppierungen – so berechtigt sie sein mag – werde pauschal als islamophob verurteilt. Selbst moderate Muslime, die sich über zunehmende Radikalisierung sorgen, müssten sich von „Erwachten“ als islamophob beschimpfen lassen.
Und wer es zudem noch wagt zu behaupten, es gäbe nur zwei biologische Geschlechter, gilt in dieser Logik sofort als transphob.
Während das moderne Deutschland eine offene und tolerante Gesellschaft für trans- und homosexuelle Menschen bietet, sind es ausgerechnet radikale Muslime, die diese Gruppen ausgrenzen oder gar mit dem Tod bedrohen. Was nicht in das Weltbild woker Ideologen passt, wird ausgeblendet oder verschwiegen.
Besonders pointiert ist die Einleitung des Buches, die das Denken woker Ideologen infrage stellt: Wer mit Winnetou, Indianerkostümen zu Fasching, Dreadlocks oder Pippi Langstrumpf aufgewachsen ist, gilt in deren Logik dennoch als rassistisch – auch wenn sich die meisten Menschen nicht als solche empfinden.
Im Hauptteil setzt sich Schröter unter anderem mit Koran-Vorgaben auseinander, nach denen sich gläubige Muslime nicht mit „Ungläubigen“ abgeben dürften – was einer erfolgreichen Integration widersprechen würde. Am Ende ermutigt sie ihre Leser:innen, sich dem ideologischen Diktat des Wokismus zu widersetzen. Denn die Mehrheit der Gesellschaft teile diese Sichtweisen nicht, sei aber trotzdem offen und tolerant gegenüber Diversität.
Die Autorin reflektiert in diesem Sachbuch auch ihre persönliche Geschichte und ihre Sicht auf den Israel-Palästina-Konflikt – allerdings ohne auf die historischen Hintergründe dieses Konflikts näher einzugehen.
Die Lektüre wird durch eine Vielzahl an Fachbegriffen und eine stellenweise emotional gefärbte Argumentation erschwert. Leser:innen sollten das Buch daher mit kritischer Distanz lesen – und sich durch weiterführende oder auch konträre Literatur eine fundierte eigene Meinung bilden.

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