Zehn Jahre nach ihrem High-School-Abschluss treffen drei ehemalige Schulkollegen in einem drittklassigen Motel aufeinander, um eine alte Rechnung zu begleichen. Was ist damals wirklich geschehen? Ein abgründiges, sehr raffiniertes Kammerspiel mit pointierten Dialogen und drei großartigen Schauspielern.

Von Elisabeth Pichler
Chaos pur herrscht in diesem Zimmer, doch Vince scheint dies nicht zu stören, Hauptsache es ist genug Bier im Eisschrank und das Tütchen mit dem weißem Pulver in Reichweite. Als sein Jugendfreund Jon, ein aufstrebender jüdischer Filmemacher, auftaucht, scheint er sich ehrlich zu freuen. Unbekümmert erzählt er von seiner kürzlich in die Brüche gegangenen Beziehung. Seine Freundin habe ihn verlassen, weil sie ihn für ein „rücksichtsloses Arschloch mit gewalttätigen Neigungen“ gehalten habe.

Die Stimmung beginnt zu kippen, als die Sprache auf Amy, ihre gemeinsame Freundin aus High-School-Zeiten, kommt. Plötzlich steht das Wort „Vergewaltigung“ im Raum und Vince versucht, mit zunehmender Brutalität und schließlich brachialer Gewalt, ein Geständnis zu erpressen. Wie wird Amy auf dieses „Tape“ reagieren? Wird sie die Entschuldigung von Jon annehmen?

Das Studio in der ARGEkultur eignet sich bestens für dieses intensive Kammerspiel, denn die Besucher erleben nicht nur die fast ekelerregende Unordnung, sondern auch die aufkommende Aggressivität hautnah mit. Jurij Diez brilliert als leicht cholerischer, simpel gestrickter Macho, der schwer unter …
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