Benjamin Brittens kurz nach dem 2. Weltkrieg entstandene Kammeroper wurde 1946 in Glyndebourne uraufgeführt. Die Universität Mozarteum bringt das mit reduziertem Orchester angelegte Werk mit hervorragenden jungen Sängerinnen und Sängern im Max Schlereth Saal zur Aufführung. Die klare Inszenierung von Alexander von Pfeil hinterlässt auf Grund der tragischen, leider noch immer aktuellen Thematik Betroffenheit. Viel Applaus bei der Premiere am 26. Jänner 2026.

In dieser Kammeroper bestehen der Männer- und der Frauenchor jeweils nur aus einer Person (Ilyà Dovnar und Sofia Levina als Beobachter). Sie schildern den mörderischen Hintergrund der Geschichte, die im Jahre 510 v. Chr. stattfand. Prince Tarquinius, der fiese Sohn des Regenten, sitzt mit einigen Generälen im Soldatenlager und trinkt Wein. Sie diskutieren über die missglückte Wette, bei der sie die Treue ihrer Frauen während ihrer Abwesenheit überprüfen wollten. Die meisten von ihnen haben dabei schlechte Erfahrungen gemacht, nur Collatinus kann mit Stolz von der Treue seiner geliebten Lucretia berichten.
Tarquinius, der gerne Orgien feiert und Bordelle besucht, reizt die Treue von Lucretia. Angetrieben vom boshaften Junius macht er sich auf den Weg nach Rom, um dieses Muster an Keuschheit auf die Probe zu stellen. Er quartiert sich bei dem Objekt seiner Begierde ein. Lucretia kann ihm trotz ihrer Ängste die Gastfreundschaft nicht verwehren. Am nächsten Tag findet sie ihr von der Dienerschaft verständigter Gatte völlig aufgelöst vor. Obwohl er Mitleid mit seiner Gattin hat, erträgt sie die Schande nicht und tötet sich selbst. Das Volk ist über die ruchlose Tat so erzürnt, dass es die Tarquinier verbannt.



Verschiebbare, aufklappbare weiße Wände mit riesigen Öffnungen erlauben einen raschen Ortswechsel vom Militärlager zum Haus der Lucretia (Bühne: Lena Matterne). Für die geschmackvollen Kostüme zeichnet Theresa Staindl verantwortlich. Lucretia und ihre Dienerschaft beklagen das Los der ständig alleingelassenen Frauen. Der junge Südtiroler Bariton Samuel Andre Pörnbacher überzeugt als Bösewicht des Stücks. Lurda Bukau gibt mit ihrem wunderbar timbrierter Mezzosopran Lucretia, sein armes Opfer. Die treu ergebenen Dienerinnen Bianca (Erika Henriques) und Lucia (Sujin Kim) leiden mit ihrer Herrin. Collatinus (Xuanbo Li) reagiert mit Verständnis und warmtönigem Bassbariton auf die Katastrophe. Junius (Joseph Breslau) überzeugt mit engagiertem Spiel und gut fundierter Baritonstimme.
Gernot Sahler steht am Pult des 13-köpfigen Kammerorchesters mit umfangreichem Schlagwerk, Klavier und Harfe. Bläser sind überproportional vertreten, die Streicher in der Minderheit. Das selten zu hörende Werk überzeugt mit emotional eindrucksvoller Musik und großartigen Ensemblestellen. Alexander von Pfeil schuf mit dieser Inszenierung einen atmosphärisch dichten Opernabend, der unter die Haut geht.
„The Rape of Lucretia“ – Benjamin Britten. | Kunstquartier| Kammeroper in zwei Akten (1946). Libretto von Ronald Duncan, nach dem Theaterstück „Le viol de Lucrèce“ von André Obey. Eine Veranstaltung des Departments für Oper & Musiktheater in Kooperation mit den Departments für Gesang und Szenografie. Musikalische Leitung: Gernot Sahler. Szenische Leitung: Alexander von Pfeil. Bühne: Lena Matterne. Kostüme: Theresa Staindl. Dramaturgie: Jurij Kowol. Kammerorchester Universität Mozarteum. Mit: Chorus Ilyà Dovnar, Sofia Levina, Xuanbo Li, Joseph Breslau, Samuel Pörnbacher, Lurda Bukau, Erika Henriques, Sujin Kim (26. und 29.1.) und Achim Schurig, Dorka Denke, Danny Leite, Joseph Breslau, Samuel Pörnbacher, Johanna Zeitlhöfler, Varvara Nikishina, Emma Kindinger (27. und 31.1.) Fotos: Mozarteum © Judith Buss

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