The Turn of the Screw

The Turn of the Screw

Ein beklemmendes Labyrinth

Das Department Oper und Musiktheater der Universität Mozarteum bringt Benjamin Brittens packende Kammeroper im Max Schlereth Saal zur Aufführung. Florentine Klepper positioniert die geheimnisvolle Geistergeschichte zwischen flatternde weiße Vorhänge. Dezente Videoeinspielungen sorgen für eine beklemmende Atmosphäre. Großer Jubel bei der Premiere am 27. Jänner 2023.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Im Prolog erfahren wir, dass eine junge Gouvernante unterwegs ist, um auf dem Landsitz Bly die beiden Waisenkinder Miles und Flora zu betreuen und für ihre gute Erziehung zu sorgen. Ihr Auftraggeber, der Vormund der Kinder, will nicht belästigt werden und verlangt absolute Verschwiegenheit über die Vorkommnisse auf seinem Landsitz. Die Kinder scheinen höflich und nett zu sein, kaum zu glauben, dass Miles wegen schlechten Betragens der Schule verwiesen wird. Als die Gouvernante immer wieder zwei seltsame Gestalten durch das Anwesen schleichen sieht, verständigt sie die Haushälterin Mrs. Grose. Diese kommt zu dem Schluss, dass es sich dabei nur um Miss Jessel und Peter Quint, zwei ehemalige Angestellte, handeln könne, die auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen sind. Die beiden waren ein Liebespaar und hatten ein ausgezeichnetes Verhältnis zu den Kindern. Als der Kontakt zwischen den beiden Untoten und den Kindern immer intensiver wird, beschließt die Gouvernante, doch den Vormund zu verständigen. Mister Quint vermag dies zu verhindern und so ist das tragisches Ende vorprogrammiert.

Als Vorlage für „The Turn of the Screw“ (zu deutsch „Die Drehung der Schraube“) diente Benjamin Britten eine Erzählung von Henry James aus dem Jahre 1898, die von frühen tiefenpsychologischen Ideen beeinflusst war und vom Autor als ein „Spiel seltsamer Begegnungen“ bezeichnet wurde. Hinter einem feinen Gazevorhang, der durch zarte Videoeinspielungen für die jeweils passende Stimmung sorgt, spielt sich ein Mix aus Geistergeschichte und Psychodrama ab (Bühne, Kostüme und Video: Selina Schweiger).

Die österreichische Sopranistin Donata Meyer-Kranixfeld besticht als mütterliche, doch innerlich schwer verunsicherte Gouvernante, die amerikanische Mezzosopranistin Jesse Mashburn als dramatische Mrs. Grose. Niklas Mayer ist im Prolog als unsichtbarer Vormund aus dem Graben zu hören und schleicht dann als diabolischer Peter Quint am Landsitz Bly herum. Die geheimnisvolle Erscheinung der toten, an ihren Liebhaber gefesselten Miss Jessel verkörpert die russische Sopranistin Anastasia Churakova. Flora (Anastasia Fedorenko) und Miles (Laura Obermair) agieren zwar kindlich, doch dann wieder so mysteriös, dann man ahnt, dass sie ihre Unschuld schon verloren haben. Dieses Motiv der verlorenen Unschuld beschäftigte den Komponisten Benjamin Britten sein Leben lang. Stets versuchte er, in seinem künstlerischen Schaffen Rückzugsorte für die Unschuld zu errichten. Doch auch im friedlichen Anwesen Bly lauert eine übermächtige Gefahr.

Die abwechslungsreiche, dramatisch schillernde Musik der Oper bietet einen faszinierenden Klangreichtum. Die 13 Musiker*innen des Kammerorchesters der Universität Mozarteums überzeugen unter dem Dirigat von Kai Röhrig in den solistischen Passagen und bei den Zwischenspiel-Variationen. Professor Gottfried Franz Kasparek, Musikschriftsteller und Dramaturg, hat in seiner Kritik auf drehpunktkultur von einem „Festspielformat“ geschwärmt, dem kann ich mich nur voll und ganz anschließen.

„The Turn of the Screw“ – Oper in einem Prolog und zwei Akten von Benjamin Britten. Nach der gleichnamigen Novelle von Henry James. Eine Veranstaltung von: Department Oper und Musiktheater in Kooperation mit dem Department für Gesang und dem Department für Bühnen- und Kostümgestaltung, Film und Ausstellungsarchitektur. Musikalische Leitung: Kai Röhrig. Regie: Florentine Klepper. Bühne, Kostüme und Videos: Selina Schweiger. Dramaturgie: Heiko Voss. Musik: Kammerorchester Universität Mozarteum. Mit: Donata Meyer-Kranixfeld / Anna-Maria Husca, Jesse Mashburn / Julia Maria Eckes, Niklas Mayer / Konstantin Igl, Anastasia Churakova, Anastasia Fedorenko, Laura Obermair, Sophie Schneider. Fotos: Mozarteum/ Wolfgang Silveri

Dorfgockel

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