Ein Ort, unendlich öde und einsam, ein paar Tannen, ein Gehöft, sonst nichts. Tannöd, ein vergessener Winkel im Niemandsland, weitab vom nächsten Dorf und den nächsten Nachbarn. Die Danners, seine Bewohner sind eigenbrötlerische, mürrische Menschen, die sich außerhalb der Dorfgemeinschaft eingerichtet haben. Doch dann dringt seit Tagen kein Lebenszeichen mehr von Tannöd ins Dorf, nur der Hund kläfft….
Andrea Maria Schenkel hat in ihrem Debütroman einen wahren Kriminalfall aufgegriffen, einen der rätselhaftesten in der deutschen Kriminalgeschichte. Trotz wiederholter Festnahmen wurde bis heute kein Täter gefunden, die Akten hat man 1955 geschlossen. Die Autorin verlegt das Geschehen in die 50er Jahre, übernimmt wichtige Details und spielt mit erfundenen. Fiktion und Wirklichkeit greifen unmerklich ineinander und machen „Tannöd“ zu einem kleinen Meisterwerk.
Die Bühnenfassung in der Regie von Gerda Gratzer/ Bühne & Kostüme von Elisabeth Strauß spiegelt mit Aussagen von Zeugen, Erinnerungen von Opfern und Täterbeschreibungen schonungslos und eindrücklich eine bigotte, ganz und gar nicht idyllische dörfliche Gemeinschaft, die das Wegschauen fördert und so erst das Verbrechen ermöglicht. (Text: Tannöd Folder)

Ich hab vor einigen Jahren das Buch gelesen und war wirklich erstaunt, wie menschendurchleuchtend die Autorin diesen Fall mit Fact und Fiction dargestellt hat.
Dass nun dieses Werk dramaturgisiert wurde, zeigt für mich nur die Aktualität des gesellschaftlichen Themas auf.
Und übrigens: toller Artikel!