
Autor: Thomas Neuhold
Titel: Innviertel und Hausruckviertel – Orte der Erinnerung | hingehen, begreifen, niemals vergessen
Genre: Zeitgeschichte
ISBN: 9783702511975
Verlag: Anton Pustet Salzburg
Erschienen: 27. 4. 20226
Klappentext
Eine Landkarte der Erinnerung Nach dem Salzkammergut widmet sich Thomas Neuhold nun den tiefen Spuren, welche die Geschichte im Innviertel und dem Hausruckviertel hinterlassen hat. Neben bekannten Gedenkstätten wie jener des selig gesprochenen Franz Jägerstätter treten auch viele bislang kaum beachtete Orte und Persönlichkeiten ins Licht: zwischen St. Radegund und Alkoven, zwischen Passau und dem Attersee.
Anhand von Schauplätzen, Ereignissen und Menschen zeichnet der Autor den Weg in die austrofaschistische Diktatur, weiter durch den Nationalsozialismus bis zur Befreiung 1945 – und macht zugleich sichtbar, welche Kontinuitäten die Nachkriegszeit prägten. Das handliche Buch porträtiert die Orte klar und prägnant, der beiliegende Faltplan erleichtert die Orientierung und eröffnet eine ambivalente Erinnerungslandschaft. Unter anderem finden sich: – „fremdvölkische Kinderheime“ in der NS-Zeit – das KZ-Außenlager in Vöcklabruck – die Tötungsanstalt Hartheim in Alkoven – die T4-Außenstelle „Villa Schoberstein“ in Weißenbach am Attersee – das „vergessene“ KZ in Gunskirchen-Edt – Arisierung“ und Zwangsarbeit in Ranshofen
* Handbuch mit Faltplan
* Mit rund 30 Orten im Inn- und Hausruckviertel, an die wir uns aus unterschiedlichen Gründen erinnern sollten
* Kurze Texte zur Zeitgeschichte: Austrofaschismus, Nationalsozialismus und Nachkriegszeit

Buchrezension von Karl Traintinger
Geschichte besteht nicht nur aus Jahreszahlen und großen Namen. Oft sind es die kleinen Geschichten, die bleiben. Gerade sie halten die Erinnerung an jene düstere Zeit wach. Und das ist notwendig. Denn das Vergessen hat es gern bequem.
Neuhold nimmt sich in seinem Buch das Innviertel und das Hausruckviertel vor – also keine ferne Weltgeschichte, sondern unsere nächste Nachbarschaft. Er zeigt, was hier war, was verdrängt wurde und worüber man nach 1945 lieber nicht allzu laut gesprochen hat; oft bis heute nicht.
Ich habe das Buch in Etappen gelesen. Nicht weil es an Spannung fehlen würde, sondern weil vieles schwer auszuhalten ist. Man möchte das Gelesene einordnen, auch örtlich. Und man merkt schnell: Das alles war nicht weit weg. Es war mitten unter uns.
Dass in den sogenannten „Ausländerkinder-Pflegestätten“ gemordet wurde, gehört zu jenen Verbrechen, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Dass Euthanasie-Verbrecher am Attersee Sommerfrische hielten, passt nicht ins gepflegte Idyll und wird daher gern übersehen. Neuhold tut das nicht. Er schaut dorthin, wo andere lieber wegschauen.
Das Buch räumt zudem mit Legenden auf. Etwa mit der Erzählung, Hitlers Autobahnbauten hätten die Massenarbeitslosigkeit beendet. Auch personelle und politische Kontinuitäten nach 1945 spart der Autor nicht aus. Dass dabei Funktionäre der neu gegründeten FPÖ in einem rostigen Licht erscheinen, ist keine Polemik, sondern historische Nüchternheit.
Kein bequemes Buch. Aber ein wichtiges. Und vielleicht ist genau das sein größter Verdienst: Es macht klar, dass Erinnerung nicht dort beginnt, wo es angenehm ist, sondern dort, wo man genau hinschauen muss.
Siehe auch:
Gut besuchte Buchpräsentation mit Thomas Neuhold >

Sie schätzen die Buchkritiken in der Dorfzeitung?
Freunde helfen der Dorfzeitung durch ein Abo (=Mitgliedschaft)! Wir sind sehr stolz auf die Community, die uns unterstützt! Auf diese Weise ist es möglich, unabhängig zu bleiben.
Es gibt zwei einfache Wege, zum Freund der Dorfzeitung zu werden.
Überweisung der Abogebühr (ohne Kreditkartenabo)
Sie werden für ein Jahr ein außerordentliches Vereinsmitglied (ohne Rechte und Pflichten) des Herausgebervereins (Kulturverein Dorfzeitung KULTUR online) zum Jahrespreis von 54 €. Es ist dazu ihre Post- und E-Mailadresse notwendig, damit wir die Rechnung für den Mitgliedsbeitrag schicken können. Nach Eingang der Zahlung bekommen Sie einen Steady-Gastzugang für 1 Jahr. Verlängerungen sind möglich. Kontaktformular >
Direktabo mit Kreditkartenzahlung
Ein weiterer Weg ist ein Direktabo via Steady, wie es im Folgenden beschrieben und angeboten wird.
INSERT_STEADY_CHECKOUT_HERE

Kommentar hinterlassen zu "Thomas Neuhold: Innviertel und Hausruckviertel – Orte der Erinnerung"