Trakl, Trinkwasser und ein Streit um Wurzeln

Trakl, Trinkwasser und ein Streit um Wurzeln

Alle Fotos: Karl Traintinger

Seit Anfang Juli 2025 sorgt ein neuer Brunnen für frisches Trinkwasser am neugestalteten Waagplatz in der Salzburger Altstadt.

Von Karl Traintinger

Wo früher Asphalt und parkende Autos dominierten, lädt nun ein autofreier Platz mit Pflastersteinen, Sitzwürfeln und künstlerischem Bezug zum Dichter Georg Trakl zum Verweilen ein. Auf der Brunnenschale aus Bronze steht ein poetischer Satz aus dessen Gedicht Helian (In den einsamen Stunden des Geistes ist es schön, in die Sonne zu gehn). Es ist eine gelungene Verbindung von Dichtung, Design und öffentlicher Funktion.

Der Brunnen versorgt nicht nur Einheimische und Gäste mit kühlem Wasser, sondern ist auch ein Symbol nachhaltiger Stadtentwicklung. Im Herbst soll zusätzlich eine Weißlinde gepflanzt werden als grüner Solitär und Schattenspender. Doch genau hier entzündet sich aktuell eine Diskussion: Beim Ausheben der Pflanzgrube wurde ein römischer Stein entdeckt – laut Denkmalamt soll er im Boden bleiben. Das aber könnte das Wachstum des Baumes behindern.

Im Hinblick auf Klimavorsorge sieht Planungsstadträtin Anna Schießer darin ein Problem. Ein einzelner archäologischer Fund sei wichtig, aber kein Ersatz für dringend benötigtes Stadtgrün. Sie plädiert für ein Umdenken beim Umgang mit Altstadtschutz und Klimaanpassung – nicht als Gegensätze, sondern als gemeinsame Aufgabe.

Der Waagplatz beweist es: Stadtgestaltung ist heute so viel mehr als nur eine schöne Oberflächengestaltung! Sie muss auch Fragen des Klimas, der Geschichte und der Lebensqualität beantworten – und das am besten mit einem Schluck frischen Wassers und einem offenen Ohr für die Vergangenheit.

Am Waagplatz fehlt schmerzlich ein Hinweis auf zwei weitere Kunstwerke: den Anker von Karl Reisenbichler am Haus Waagplatz 1 und den Kanaldeckel von Robert Jelinek, „SOS Gate, SOS State of Sabotage“ geben. Die Daten zum Planer und Erbauer des Brunnens fehlen ebenso. Schade. Das dürfte im Zeitalter der QR-Codes kein Problem sein.

Trinkwasserbrunnen in der Dorfzeitung >

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