Mit einem Klassiker der renommierten Choreografin, Tänzerin und Regisseurin Sasha Waltz eröffnete das Festival Sommerszene 2026 am 8. Juni. Das 1993 entstandene zeitlose Stück wurde mehrmals überarbeitet und begeistert noch immer mit „Humor, Aggressivität und Sinnlichkeit“. Tosender Applaus für einen fulminanten Start der Sommerszene in der SZENE Salzburg.

In dieser altmodischen, spartanisch möblierten Wohnküche mit gestreiften Tapeten ist wie in vielen Wohngemeinschaften der Kühlschrank wohl das Wichtigste. Das hier residierende Quintett, drei Damen und zwei Herren, dürfen wir 70 Minuten lang bei ihrer täglichen Routine beobachten. Gemeinsame Aktivitäten, kleinere Streitereien und intime Begegnungen sorgen für Abwechslung.
Erste Probleme gibt es natürlich beim Essen. Reicht ein Laib Brot wirklich für alle? Die Verteilung läuft nicht nach Wunsch, denn einer bedient sich rücksichtslos und lässt den übrigen nur ein paar Krümel. Meist halten die Damen (Rosa Dicuonzo, Hwanhee Hwang, Margaux Marielle-Tréhoüart) zusammen und verbünden sich gegen die Männer (Edivaldo Ernesto, Virgis Puodziunas). Kleine Gehässigkeiten bereiten ihnen großes Vergnügen. Doch auch die Herren, wissen wie sie die Damen ärgern können.
Natürlich kommt es immer wieder auch zu Zärtlichkeiten, mal sanft, dann wieder etwas rauer. Die schwankenden Gefühle gipfeln in einer tänzerischen Paarung auf dem Küchentisch. Dabei erweist sich das weiße T-Shirt als hinderlich und dient schließlich als Trophäe.
Während auf einer kleinen Nähmaschine ein neues Kleid genäht wird, zieht sich ein Herr beleidigt auf ein Klappbett zurück und zittert im Rhythmus der Maschine mit. Immer wenn Langeweile droht, wird zum Tanz gebeten. Bei Tango oder Disco Musik (Musik: Tristan Honsinger Quintett) kehrt schnell wieder Stimmung ein. Die Bewohner dieser sehr internationalen WG sorgen zum Finale schließlich für ein ordentliches Chaos. Aufgeräumt wird morgen!

Sasha Waltz über ihre choreographische Arbeit (1993):
„Humor, Aggressivität und Sinnlichkeit sind wichtige Elemente meiner choreographischen Arbeit. Sowohl das Spiel mit konkreten Objekten und dem Bühnenbild, als auch die Annäherung an Schnitttechniken des Films und insbesondere die grotesken Bewegungen des Stummfilms inspirieren mein choreographisches Vokabular. Dies führt zu Expressivität und Emotionalität, bei der jedoch auch Raum für Abstraktion bleibt. Ich konzentriere mich auf das Detail und das Unterbewusste im Handeln der Charaktere, die unter Verwendung von Klischees und Stereotypen in Karikaturen ihrer Persönlichkeit verwandelt werden. Ich möchte ein vielschichtiges und rhythmisiertes Abbild unserer Zeit schaffen – die Musik ist dabei eine treibende und sehr wichtige Kraft.“
„Travelogue I – Twenty to eight“, ein Tanzabend der nichts an Aktualität verloren hat und Menschen zeigt, die in ihrer eigenen sozialen Struktur gefangen sind.
„Travelogue I – Twenty to eight“ – Regie/Konzept: Sasha Waltz. Bühne: Barbara Steppe. Licht: Tomski Binsert. Tanz: Rosa Dicuonzo, Edivaldo Ernesto, Hwanhee Hwang, Margaux Marielle-Tréhoüart, Virgis Puodziunas. Repetition: Takako Suzuki. Musik: Tristan Honsinger Quintett. Das Stück wurde von und mit den Tänzer:innen Ákos Hargitay/Thomas Lehmen, Nasser Martin-Gousset, Takako Suzuki, Sasha Waltz und Charlotte Zerbey entwickelt. Fotos: Sommerszene © Sebastian Bolesch


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