Ich versteh die Menschen nicht. Was ist da passiert, dass wir unseren Gesundheitsinstitutionen so misstrauen? Was ist passiert, dass jeder Bäcker, jede Verkäuferin, jeder Mensch meint, der bessere Arzt zu sein und Situationen beurteilen zu können, die extrem komplex sind und für deren Beurteilung die handelnden Personen jahrelange Ausbildungen absolvieren? Was ist da passiert, dass die Menschen kein Vertrauen mehr haben und überall Verrat oder Fehler orten?

Von Sonja Schiff
Der Schnellschnitt während einer OP (also bei offenem Körper und unter großem Zeitdruck!) ist medizinischer Standard. Damit wird ein Krebsverdacht aufgelöst oder er verdichtet sich. Wenn dabei eine einzige Zelle gefunden wird, die den Krebsverdacht erhärtet, wird alles rausgenommen, was befallen sein könnte und quasi für die Funktion nicht zu 100% gebraucht wird. In der Regel Organmaterial, Lymphknoten, Faszien etc. Alles raus. Weil Krebs sich im Körper vermehrt wie Springkraut!! Darüber wird man aufgeklärt und das unterschreibt man auch.
Die Alternative wäre, dass die OP abgebrochen wird, man zugenäht und aus der Narkose geholt, also aufgeweckt wird, danach aufgeklärt wird über die gefundene Krebszelle, entscheiden muss, und ein paar Tage später wieder in Narkose gelegt, wieder aufgeschnitten und operiert wird. Wird auch als Alternative angeboten. Aber wer will das bitte bei Krebsverdacht?
Ja, manchmal wird bei diesem Schnellschnitt (einer schnellen histologischen Untersuchung während einer laufenden OP!) ein Krebsverdacht erhärtet, der sich danach, wenn das gesamte entnommene Material in aller Ruhe untersucht wird, nicht bestätigt. Kann vorkommen. Ja. Und ja, mit den Folgen so einer OP muss man dann leben. Aber hey: ÜBERLEBT! Das ist doch das Wichtigste. Kein Krebs. Keine Chemo. Kein Leiden. Warum sich über so etwas nicht einfach freuen?? Ich werde das nie verstehen.
Ich hab was Ähnliches erlebt. Krebsverdacht während der OP. Alles wurde rausgenommen. Danach wurde 6 Wochen (!!) das Material untersucht und danach kam die befreiende Erkenntnis: Ein seltener Borderlinetumor. Juuhuuuu, kein Krebs. Der Arzt hat sich danach bei mir quasi entschuldigt, meinte, heute wisse er, dass er nur den Tumor an sich hätte entfernen müssen. Ja, HEUTE weiß er das! Weil das gesamte Material untersucht war. Damals war Krebsverdacht. Und ich hätte nicht gewollt, dass sich Krebs potentiell in meiner Bauchhöhle ausbreitet wie Springkraut. Nie im Leben würde ich meinem Ärzteteam einen Vorwurf machen. Sie haben state of the art gehandelt. Punkt. Und ich hatte unfassbares Glück! Danke Schicksal!
Ich verstehe die Menschen wirklich nicht. Kritisch hinsehen. Keine Frage. Aber immer und überall Ärztefehler oder Systemfehler zu orten, ist schon arg. Dazu passt auch, dass mittlerweile in Krankenhaus-Ambulanzen Sicherheitspersonal die Ärzte und Pflegerinnen schützen muss. Irgendwas läuft da gewaltig schief….

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