Vertraute Bilder – verstörende Geschichte

Vertraute Bilder - verstörende Geschichte

Mit „Mein Österreich“ zeigt Ramesch Daha im Taxispalais in Innsbruck eine Ausstellung, die vertraute Heimatbilder gründlich aus dem Gleichgewicht bringt. Ausgangspunkt sind alte Postkarten, jene glatten Ansichten von Bergen, Schnee und heiler Welt, mit denen sich Österreich jahrzehntelang ins touristische Rampenlicht gestellt hat.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Daha überträgt solche Motive in großen blauen Wandmalereien auf die weißen Wände des Hauses, das einst selbst ein Postamt war. Das wirkt auf den ersten Blick ruhig und fast nostalgisch. Doch diese Ruhe hält nicht lange. In die Landschaften und Stadtansichten schieben sich Texte mit Erinnerungen an den Austrofaschismus in Tirol. Plötzlich kippt das Vertraute. Aus der schönen Ansicht wird ein Bild, das Fragen stellt.

Gerade diese Verschiebung macht die Ausstellung stark. Daha interessiert sich nicht für dekorative Erinnerung, sondern für das, was unter der Oberfläche liegt. Sie arbeitet mit Archivmaterial, zeichnet nach, überträgt, verdichtet. So wird Malerei bei ihr zu einer Form des Nachdenkens.

Im Untergeschoss steht die jahrelange Recherche der Künstlerin zu Sigmund Klein im Mittelpunkt. Der jüdische Vater ihres Stiefgroßvaters wurde von den Nationalsozialisten verfolgt, deportiert und 1942 ermordet. Daha nähert sich dieser Geschichte nicht mit Pathos, sondern mit großer Genauigkeit. Gerade dadurch entfaltet die Arbeit ihre Wirkung.

„Mein Österreich“ ist eine ruhige, kluge und eindringliche Ausstellung. Sie zeigt, wie trügerisch schöne Bilder sein können und wie wichtig es ist, Geschichte nicht nur anzuschauen, sondern auch mitzudenken.

Ramesch Daha lebt in Wien und arbeitet an der Schnittstelle von Malerei, Zeichnung und konzeptueller Kunst. In ihren Projekten beschäftigt sie sich mit Erinnerung, Archiven und verdrängter Geschichte. Für „Mein Österreich“ entwickelte sie im TAXISPALAIS eine neue ortsbezogene Werkserie.

Die Ausstellung ist im Taxis – palais Kunsthalle Tirol in Innsbruck bis 7. 6. 2026 zu sehen.

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