Der Krapfen gehört zum Fasching wie der Walzer zum Ball. Was heute als süßes Hefeteiggebäck mit Marillenmarmelade auf unseren Tellern landet, hat eine erstaunlich lange Geschichte.

Von Karl Traintinger
Schon im alten Ägypten wurde Gebäck in heißem Fett ausgebacken, oft in symbolischen Formen. Auch die Römer kannten mit ihren globuli ein rundes Siedegebäck, das mit Honig bestrichen wurde. Der Weg zum heutigen Krapfen war also früh angelegt.
In Österreich taucht er bereits im 13. Jahrhundert in Schriften auf. 1486 ist in der Wiener Köcheordnung von „Krapffenpacherinnen“ die Rede – ein Zeichen dafür, dass das Gebäck längst Teil der Alltagskultur war. Allerdings nicht für jeden Tag: Krapfen galten lange als Festtags- und Fastenspeise und wurden vor allem zur Faschingszeit gebacken.
Die Geschichte von der Hofköchin Cäcilie Krapf, die den Krapfen erfunden haben soll, gehört übrigens ins Reich der Legenden. Gefüllt wurde ursprünglich mit eingekochtem Obst wie Ribiseln oder Zwetschken. Erst um 1900 setzte sich die Marillenmarmelade als Klassiker durch und noch immer gilt: Ein Krapfen ohne Zusatz ist in Österreich mit Marillenmarmelade gefüllt. Heute gibt es sie da und dort das ganze Jahr über, gefüllt auch mit Vanillecreme, Nougat, Pistazie oder Zwetschkenmarmelade. In meiner Kindheit hat der Scharl-Bäcker in Lamprechtshausen die Marmelade noch mitgebacken, heute wird sie überall nur noch nach dem Backen hineingespritzt. Schade.


Dass Krapfen einst Luxus waren, zeigt ein Blick ins 19. Jahrhundert: Für einen gefüllten Krapfen zahlte man damals so viel wie für ein einfaches Mittagessen.
Eins ist noch immer richtig, die Klassiker schmecken am besten frisch und lauwarm. Denn der Krapfen ist mehr als nur ein Gebäck – er ist ein kleines Stück gelebter Faschingskultur.

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Frustrierend bei diesen ungesunden, fettigen aber köstlichen Teilen ist nur, dass ich nicht mehr als 2 am Stück schaffe!