Wenn Bilder das Sehen stören

Peter Baldinger

Peter Baldinger in der Lukas Feichtner Galerie

Diese Ausstellung verlangt Aufmerksamkeit, Zweifel und die Bereitschaft, dem eigenen Sehen nicht zu schnell zu trauen. Peter Baldinger zeigt in der Lukas Feichtner Galerie Arbeiten, die nicht gefällig sein wollen, sondern zum Hinschauen zwingen.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Wer sich auf diese Bilder einlässt, merkt bald, dass hier nichts auf schnelle Lesbarkeit angelegt ist. Was zunächst wie Figur, Porträt oder mediales Zitat erscheint, verliert bei näherem Hinsehen seine Sicherheit. Flächen schieben sich übereinander, Raster stören die Wahrnehmung, Fragmente bleiben zurück wie Reste einer Geschichte, die sich nicht mehr ganz erzählen lässt.

Baldinger, 1974 geboren, war Journalist, bevor er Künstler wurde. Das ist mehr als eine biografische Fußnote. Er kennt die Welt der Bilder nicht nur als Oberfläche, sondern auch als Mittel der Deutung. Zeitungen, Magazine und fotografische Vorlagen dienen ihm als Ausgangspunkt, werden aber nicht einfach übernommen. Er übermalt, verdeckt, löst auf. Von der ursprünglichen Botschaft bleibt oft nur eine Spur.

Gerade das macht die Qualität dieser Arbeiten aus. Baldinger zeigt, wie brüchig Wahrnehmung heute geworden ist. Zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion entstehen Bilder, die nichts Endgültiges behaupten. Sie lassen offen, sie verunsichern, und genau darin liegt ihr Reiz.

Auch kunsthistorische Anklänge tauchen auf, aber nicht als bloßes Zitat. Das Vertraute erscheint nur mehr als Echo, als Erinnerung an eine Bildordnung, die nicht mehr trägt wie einst.

Die Ausstellung ist damit mehr als eine Werkschau. Sie ist ein stiller Kommentar zu einer Gegenwart, in der Bilder dauernd verfügbar und zugleich immer fragwürdiger werden. Keine Schau für den schnellen Konsum, aber eine, die bleibt. Und das ist am Ende vielleicht das beste Urteil.

lukasfeichtner Galerie
Seilerstätte 19
1010 Wien
Peter Baldinger – KEEP CLEAR – bis 20. Juni 2026

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